Nach zwei schwachen Auftritten waren die Zweifel an Albas mentaler Verfassung groß. In der ausverkauften Max-Schmeling-Halle geben die Berliner im Entscheidungsspiel eine denkwürdige Antwort. Von Julian Graeber
Heimvorteil trotz Reisekosten-Übernahme
Das Halbfinale in der Basketball-Bundesliga folgte bisher einer einfachen Regel. Die Heimmannschaft gewinnt – und das deutlich. 2:2 stand es nach vier Spielen und auf dem Papier sah es am Dienstagabend deshalb nach einer klaren Angelegenheit aus. Alba Berlin empfing die Baskets Bamberg in der heimischen Max-Schmeling-Halle, bei genauer Betrachtung musste man sich aber doch fragen, wer hier wirklich Heimvorteil hat. Der langjährige Bamberger Mäzen Michael Stoschek hatte im Vorfeld angekündigt, die gesamten Reisekosten für die Fanszene zu übernehmen, und so machten sich mehr als 500 Anhänger mit sieben Bussen aus Franken auf den Weg. Schon lange vor Spielbeginn war in Prenzlauer Berg viel Rot zu sehen, auch in der Halle war der große Auswärtsblock im Oberrang deutlich zu vernehmen.
Alba spielt sich in einen Rausch
Das änderte sich allerdings schnell. Nach einem halbwegs ausgeglichenen ersten Viertel spielte sich Alba in einen Rausch und qualifizierte sich mit einem eindrucksvollen 97:66 (22:17, 30:9, 18:15, 27:25) für das Finale um die deutsche Meisterschaft. Das Duell mit dem großen Rivalen FC Bayern beginnt mit zwei Auswärtsspielen in München am Freitag (20.30 Uhr) und Sonntag (15.30 Uhr).
Die zwei schwachen Auftritte in Bamberg hatten einige Zweifel an der mentalen Verfassung der Mannschaft von Trainer Pedro Calles aufkommen lassen, und so legte sich auch die Berliner Fangemeinde mächtig ins Zeug. Die Halle war mit 8861 Zuschauenden zum ersten Mal in dieser Saison ausverkauft und schon beim Warmmachen hallte es laut von der Tribüne: „Auf geht’s Alba, kämpfen und siegen!“ Das Team begann ähnlich motiviert wie das Publikum und gute Signale kamen vor allem von Martin Hermannsson sowie Malte Delow. Beide waren in Bamberg nur Schatten ihrer Selbst gewesen, meldeten sich am Dienstag mit erfolgreichen Würfen und viel Spielfreude aber früh an im Spiel. Nach sechs Minuten führte Alba erstmals zweistellig, den Gästen gelang es aber vorerst noch, dranzubleiben.
Zweites Viertel: Berliner Monolog
Das zweite Viertel entwickelte sich dann allerdings zu einem Berliner Monolog. Alba verteidigte intensiv, holte sich die Rebounds, punktete und zauberte. Bamberg war völlig überfordert und bekam minutenlang nicht mal einen vernünftigen Abschluss zustande. Vor den Augen der NBA-Stars Moritz und Franz Wagner sowie dem langjährigen Alba-Profi Louis Olinde fegten die Berliner nur so über das Parkett. Der Vorsprung wuchs rasant und der Bamberger Block verstummte.
Die Frage, wer den Heimvorteil hat, war eindrucksvoll beantwortet. Während Albas Fanblock sonst meist als Alleinunterhalter gefragt ist, gingen große Teile der Halle mit. Sie hüpften, sangen und prügelten auf ihre Klatschpappen ein. Die Berliner gingen mit 26 Punkten Vorsprung in die Pause.
Comeback-Versuch verpufft
Den Bambergern um ihren hervorragenden Trainer Anton Gavel war nach dem Seitenwechsel anzumerken, dass sie sich nicht so einfach überrennen lassen wollten. Sie spielten nun wieder fokussierter und fanden offensiv zurück in einen Rhythmus. Alba hielt jedoch dagegen und ließ bei den Franken nie die Hoffnung auf ein Comeback aufkeimen. Die Führung wuchs zwischenzeitlich bis auf 39 Punkte an.
Nach dem enttäuschenden Viertelfinalaus in der Vorsaison kehren die Berliner damit ins Finale zurück. Dort wartet mit den ausgeruhten Münchnern der große Favorit. Wie schwer diese Aufgabe werden wird, kümmerte an diesem rauschhaften Dienstagabend aber niemanden.



