Rekord-Trockenheit in Bayern: Folgen für Landwirtschaft, Wasser und Tourismus
Rekord-Trockenheit in Bayern: Folgen für Land und Leute

Rekord-Trockenheit in Bayern: Ein Frühjahr ohne Regen

München (dpa/lby) - Mit nur etwa 104 Litern Niederschlag pro Quadratmeter in den Monaten März, April und Mai war das Frühjahr 2026 in Bayern das trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigte, dass die Sonne überdurchschnittlich oft schien, was vor allem Ende Mai vielen Menschen ideales Badewetter bescherte. Doch die Freude über die sommerlichen Temperaturen weicht zunehmend der Sorge: Die Trockenheit hat bereits weitreichende Folgen für Landwirtschaft, Umwelt und den Alltag der Menschen im Freistaat.

Landwirte in Not: Ernteausfälle drohen

Bereits Anfang Mai schlugen die bayerischen Bauern Alarm. Die anhaltende Trockenheit hat die Situation weiter verschärft. „Das Jahr 2026 entwickelt sich erneut zu einem Extremjahr für die Ackerbauern in Bayern“, erklärte eine Sprecherin des Bayerischen Bauernverbandes. Viele Landwirte hätten ihre Ernteerwartungen bereits deutlich nach unten korrigieren müssen. Besonders betroffen sind Pflanzen, die im Frühjahr gesät wurden, wie Mais, Zuckerrüben und Braugerste. Deren Wurzelsysteme seien noch nicht ausreichend entwickelt, um Wasser aus tieferen Bodenschichten zu erschließen. Auch die fränkischen Winzer blicken sorgenvoll auf die Rebblüte, die gerade begonnen hat. In dieser Phase ist der Wasserbedarf der Reben besonders hoch, und ausbleibender Regen könnte die Ernte gefährden.

Wasserknappheit in Gemeinden: Aufrufe zum Sparen

Die Trockenheit zeigt auch in den Gemeinden, die auf einzelne Trinkwasserquellen angewiesen sind, erste Auswirkungen. In Bad Hindelang im Oberallgäu rief die Gemeinde bereits Ende Mai die Bevölkerung auf, „Wasser sparsamer zu verwenden“. Mehrere öffentliche Brunnen in dem beliebten Urlaubsort wurden stillgelegt, um die Wasserversorgung des Friedhofs sicherzustellen. Das bayerische Umweltministerium betonte, dass es derzeit keine Engpässe bei der Trinkwasserversorgung gebe. Dennoch warnte Minister Thorsten Glauber (Freie Wähler): „Wegen der Hitze und Trockenheit sollten wir vorsorglich mit Wasser sparsam umgehen.“

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Niedrigwasser in Seen und Flüssen: Tourismus leidet

Bereits im Winterhalbjahr fielen zu wenig Regen und Schnee. Das trockene Frühjahr verschärfte die Situation, sodass an vielen Messstellen an Flüssen und Seen Niedrigwasser herrscht. Der Starnberger See, der Chiemsee und der Tegernsee verzeichnen Anfang Juni sehr niedrige Wasserstände. Dies hat direkte Auswirkungen auf Touristen und Ausflügler. Die Schiffe auf dem Chiemsee können den Anleger Seebruck seit Sonntag nicht mehr ansteuern, weil der Wasserstand zu niedrig ist. Bootsverleiher wie Manfred Eckerl berichten von Problemen: „Das Rauf- und Runterklettern ist schon schwer. Man braucht eigentlich eine Leiter“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Kleinere Verleihe könnten wegen des Niedrigwassers gar nicht mehr ausfahren, da sie sich das Ausbaggern ihrer Häfen nicht leisten können. Für viele Existenzgründer wird die Lage bedrohlich.

Waldbrände und Borkenkäfer: Gefahr für die Wälder

Bereits im April war die Waldbrandgefahr in Bayern so hoch, dass an mehreren Orten Flugzeuge zur Überwachung eingesetzt wurden. Immer wieder brachen kleinere Brände aus. Am Saurüsselkopf kämpften Hunderte Einsatzkräfte tagelang gegen einen der größten Waldbrände der vergangenen Jahrzehnte, wie Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) mitteilte. Die jüngsten Niederschläge am Wochenende brachten dort dringend benötigte Entspannung. Zudem fürchten Waldbesitzer den Borkenkäfer. Die Bayerischen Staatsforsten waren im April noch optimistisch, dass die Bäume gut gewappnet seien. Doch Anfang Mai schwärmten die Schädlinge bei trockenem Wetter und milden Temperaturen wieder aus. Je weniger Wasser den Bäumen zur Verfügung steht, desto anfälliger sind sie für den Borkenkäfer, der in den vergangenen Jahren verheerende Schäden angerichtet hat. Der Bauernverband warnte, dass leere Bodenwasserspeicher vor allem Fichten stark zusetzten – die Bäume könnten einen Befall nur bedingt abwehren: „Damit unterscheidet sich die Lage grundlegend vom Vorjahr.“

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Wie geht es weiter? Regen in Sicht, aber nicht genug

Für diese Woche sagen die Wetterdienste immer wieder Schauer und Gewitter über Bayern voraus, die neue Niederschläge bringen. Die Waldbrandgefahr dürfte sich in den kommenden Tagen nicht weiter verschärfen. Um die Folgen der Trockenheit in der Landwirtschaft abzumildern, wären jedoch längere, ergiebige Regenfälle nötig. „Starkregen hingegen wäre fatal“, warnte eine Sprecherin des Bauernverbandes. „Die ausgetrockneten Böden könnten die Wassermassen nicht aufnehmen, was zu Erosion führen und den geschwächten Kulturen endgültig den Rest geben würde.“ Auch beim Grundwasser reichen ein paar Schauer nicht aus. Die Grundwasserstände sinken in den Sommermonaten in vielen Regionen Bayerns üblicherweise weiter ab. Sollten Sommer und Herbst ebenso trocken ausfallen wie Winter und Frühjahr, rechnet das Landesamt für Umwelt „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ mit einer bayernweit anhaltenden Niedrigwassersituation im Grundwasser.