An einem sonnig-heißen Dienstag um 11 Uhr stehen in München rund 50 halbnackte Menschen an einer Tram-Haltestelle. Sie tragen Badehosen, Bikinis und sind tropfnass. Es handelt sich um Teilnehmer der sogenannten Eisbach-Runde, einer der beliebtesten Abkühlungsmöglichkeiten in der bayerischen Landeshauptstadt. Bei Temperaturen von 32 Grad im Schatten suchen sie Erfrischung im kühlen Wasser des Eisbachs.
Der Startpunkt: Hinter der berühmten Surferwelle
Die Eisbach-Runde beginnt direkt hinter der bekannten Surferwelle unterhalb der Prinzregentenstraße. Der Eisbach, der mit etwa 20 Grad Celsius und einer Strömungsgeschwindigkeit von rund 10 km/h fließt, trifft hier auf eine Betonschwelle, die eine konstante Welle erzeugt. Seit 40 Jahren wird an dieser Stelle gesurft, und täglich schauen Hunderte zu. Der Einstiegspunkt zur Runde befindet sich kurz hinter der Welle, wo das Wasser etwa hüfthoch ist, die Strömung jedoch reißend.
Die Fahrt durch den Englischen Garten
Offiziell ist das Baden im Eisbach nicht erlaubt, das Verbot wird jedoch nicht streng durchgesetzt. Die starke Strömung trägt die Schwimmer mit etwa 10 km/h durch den Englischen Garten. Nach rund 100 Metern gabelt sich der Bach: Der linke Arm führt mitten durch den Park, hat aber eine schwächere Strömung. Die rechte Seite verspricht mehr Spaß. Unterwegs gibt es mehrere Brücken, von denen Schwimmer springen. Nach etwa einem Kilometer spannt sich ein dickes Seil über den Kanal. Dort halten sich die Schwimmer fest und warten, bis Surfer an der zweiten, kleineren Eisbachwelle an der Dianabadschwelle sie durchwinken.
Gefahren und Vorsichtsmaßnahmen
Nach der Welle wird der Bach tiefer und gefährlicher. Schilder weisen darauf hin, dass Nichtschwimmer hier nichts verloren haben. Die Schwimmer bleiben im Pulk und lassen sich etwa zehn Minuten lang treiben, bis sie an einer Leiter sicher aus dem Kanal steigen können. Die gesamte Strecke beträgt rund zwei Kilometer. „Wer hier reinhüpft, sollte ein guter Schwimmer sein“, betont ein Teilnehmer.
Rückfahrt mit der Tram
Nach dem Ausstieg laufen die nassen Schwimmer zur nahen Tramstation der Linie 16. Dort warten sie gemeinsam auf die nächste Bahn. Die Tramfahrerin Sandra sagt: „Nicht mit den nassen Badehosen hinsetzen!“ Der Boden der Bahn ist klatschnass und rutschig. Die Fahrgäste haben ihre Handys teils in wasserdichten Hüllen um den Hals. Ein Jugendlicher, der bereits seine zehnte Eisbach-Runde gedreht hat, erklärt: „Wenn jemand kontrolliert, reiche ich das Deutschlandticket nach.“ Die Tramfahrerin ergänzt: „Die Eisbach-Schwimmer dürfen natürlich mitfahren. Aber auf der Strecke haben wir ihretwegen ständig Verspätungen.“ Nach zwei Stationen sind die Schwimmer wieder am Startpunkt zurück und können die Runde beliebig oft wiederholen.



