Steinmeier bezieht Ausweichquartier: Sanierung von Schloss Bellevue beginnt
Steinmeier bezieht Ausweichquartier für Schloss Bellevue-Sanierung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sein Ausweichquartier in Berlin-Moabit bezogen. Damit kann die grundlegende Sanierung von Schloss Bellevue beginnen. Die Standarte – ein goldfarbenes, quadratisches Tuch mit rotem Rand und dem Bundesadler – wurde am Vormittag vom Dach des Schlosses eingeholt und eine Stunde später am neuen Amtssitz am Spreebogen zwischen Kanzleramt und Hauptbahnhof gesetzt. Dies markierte protokollarisch den Abschluss des monatelang geplanten Umzugs.

Steinmeier: „Ich freue mich, dass es jetzt endlich losgeht“

„Ich freue mich, dass es jetzt endlich losgeht, hier am neuen Amtssitz“, sagte Steinmeier, als er seine Räumlichkeiten vorstellte. Das Übergangsquartier ist für ihn mehr als nur ein Provisorium: Die Sanierung von Schloss Bellevue und des Bundespräsidialamts ist auf bis zu acht Jahre angesetzt. Steinmeiers Amtszeit endet im März 2026, sodass er nicht mehr ins Schloss zurückkehren wird. Auch seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger – die Wahl ist am 30. Januar – wird die erste Amtszeit im Interimsquartier verbringen müssen.

Umzug unter Polizeibewachung: 900 Kartons und 5.000 Weinflaschen

Dem Umzug vorausgegangen war eine logistische Meisterleistung: 950 laufende Meter Akten, 900 Umzugskartons, Schreibtische, Stühle, Regale, Computer und Büropflanzen des Bundespräsidenten und seiner rund 220 Mitarbeiter mussten transportiert werden. Ein Flügel, auf ihre Verleihung wartende Orden, Hunderte Teller, Tassen, Schüsseln und Gläser sowie die Küche von Chefkoch Jan-Göran Barth und der Weinkeller mit rund 5.000 Flaschen aus allen 13 deutschen Weinanbaugebieten gehörten zum Umzugsgut. Hinzu kamen 76 laufende Meter Personalakten mit Sicherheitseinstufung. Der gesamte Umzug wurde von der Bundespolizei bewacht; vor dem Einzug durchsuchten Spürhunde das neue Domizil nach Sprengstoff.

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Neues Quartier mit alten Brücken: Gemälde und Konferenztisch aus Bellevue

Steinmeier zeigte sich zufrieden mit dem neuen Amtssitz. „Es ist anders als in Bellevue. Aber wir haben natürlich in diesem modernen, eher funktionalen Gebäude gar nicht versucht, den Stil zu kopieren“, sagte er in seinem neuen Amtszimmer. Es gebe aber „kleine Brücken zu Bellevue“: Gemälde aus dem Schloss zieren nun sein Amtszimmer, und der Konferenztisch, an dem er Staatsgäste empfängt, wurde ebenfalls mitgenommen. Im direkt daneben liegenden Arbeitszimmer stehen sein Schreibtisch und eine Sitzgruppe aus dem Schloss. „Sie sehen, es sieht noch sehr aufgeräumt aus“, sagte Steinmeier. Er freue sich, dass nun alles wieder seinen Platz habe. „Wir haben jetzt die letzten Tage, fast Wochen ausschließlich zwischen Kisten gearbeitet. Das hat jetzt ein Ende nach dem Umzug.“

Sanierungskosten: Fast eine Milliarde Euro

Die Sanierung des 1785 erbauten und denkmalgeschützten Schlosses Bellevue ist dringend erforderlich: Das Dach ist undicht, Lüftungsanlagen funktionieren nicht mehr richtig, Fenster sind nicht einbruchs- und schusssicher, die Fassade weist Risse auf, und an den Geschossdecken zeigt sich Korrosion. Auch im Bundespräsidialamt, das knapp drei Jahrzehnte alt ist, muss der Brandschutz auf den heutigen Stand gebracht werden; die komplette Gebäudetechnik und die zentrale Versorgungsinfrastruktur werden erneuert, ebenso die Notstromversorgung. Die Bundespolizei erhält eine neue Hauptwache, und auch die denkmalgeschützte Parkanlage wird saniert.

Die Kosten sind enorm: Fest eingeplant sind 601 Millionen Euro. Für Risiken und mögliche Baukostensteigerungen sind weitere 259 Millionen Euro vorgesehen, insgesamt 860 Millionen Euro. Rechnet man die anteiligen Kosten für das Ausweichquartier hinzu, belaufen sich die Gesamtausgaben auf fast eine Milliarde Euro. Später sollen in den Übergangsbau Bundesbehörden einziehen.

Privatwohnung bleibt vorerst, aber nur bis Amtsende

Privat bleibt Steinmeier ein Umzug vorerst erspart: Er wohnt mit seiner Frau Elke Büdenbender in einer Dienstvilla in Berlin-Dahlem. Mit dem Ende seiner Amtszeit muss er allerdings auch dort ausziehen. Der einzige Bundespräsident, der jemals im Schloss Bellevue wohnte, war Roman Herzog (Amtszeit 1994–1999). Bei einer Sanierung 2004/2005 wurden die Wohnräume in Arbeitsräume umgewandelt. Schon damals war die Sanierung dringend nötig: Strom und Wasser fielen immer wieder aus. Herzog soll das Schloss daher eine „Bruchbude“ genannt haben.

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