In der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2005 stürzten die berühmten Wissower Klinken auf Rügen in die Ostsee. Rund 50.000 Kubikmeter Kreide brachen ab und rissen das Wahrzeichen der Insel für immer mit sich. Übrig blieben nur zwei Stümpfe der einst spitz aufragenden Formation.
Die Wissower Klinken auf der Halbinsel Jasmund waren bis dahin eines der beliebtesten Fotomotive Rügens. Ihre bizarre Form hatte bereits im 19. Jahrhundert Künstler wie Caspar David Friedrich inspiriert. Der Abbruch war keine Überraschung: Bereits in den Jahren zuvor hatten Risse und kleinere Abbrüche auf die Instabilität hingewiesen. Manfred Kutscher vom Nationalparkamt Rügen erklärte damals, dass der Unterbau der Klinken instabil geworden war.
Die Erosion der Kreideküste ist ein natürlicher Prozess, der seit Jahrtausenden andauert. Meeresbrandung, Frost und Niederschläge setzen den Felsen zu. Ein künstliches Aufhalten dieser Entwicklung wurde nach dem Abbruch diskutiert, aber nicht umgesetzt. Solche Maßnahmen wären teuer und widersprechen dem Schutzziel des Nationalparks Jasmund, der die natürliche Küstenentwicklung bewahren will.
Seit 2005 kam es immer wieder zu Abbrüchen an der Kreideküste. Der größte seit 2011 ereignete sich Anfang März 2026, als nördlich von Sassnitz rund 9.000 Kubikmeter Kreide in die Ostsee stürzten. Prognosen über Zeitpunkt und Ort künftiger Abbrüche sind kaum möglich. Die ständige Erosion sorgt jedoch dafür, dass die Kreidefelsen ihre strahlend weiße Farbe behalten.
Die Einwohner Rügens verabschiedeten sich am 13. März 2005 mit einem Konzert von den Wissower Klinken. Aufgeführt wurde die 1. Sinfonie von Johannes Brahms, deren vierter Satz von der Landschaft auf Jasmund inspiriert worden war. Brahms hatte 1876 an einen Freund geschrieben: „An den Wissower Klinken ist eine schöne Sinfonie hängen geblieben.“



