Das Junge Staatstheater Parchim hat mit seiner Inszenierung von Georg Büchners „Woyzeck“ einmal mehr bewiesen, dass Klassiker auch heute noch funktionieren. Die Premiere fand am Donnerstagvormittag in der Kulturmühle statt und stieß auf große Begeisterung, insbesondere bei jungen Zuschauern.
Die Aufführung basiert auf einer Fassung von Nils Höddinghaus und Julian Dietz, die beide frühere Ensemblemitglieder in Parchim sind und nun als Schauspieler und Musiker selbstständig arbeiten. Höddinghaus übernimmt die Titelrolle sowie die Rollen von Marie und des Hauptmanns, während Dietz den Doktor und den Tambourmajor spielt. Die Inszenierung kommt mit minimalen Requisiten aus: Drei Stühle dienen als Garderobe, und Marie wird bis auf die Jahrmarktszene durch eine Schneiderpuppe dargestellt.
Musikalische Einspielungen, von Balladen bis zu Rap, treiben die Handlung voran und verdeutlichen Woyzecks zunehmenden Wahnsinn. Besonders die Verwendung von Jugendsprache und bewusst provokanten Witzen sorgte für Lacher und lautes Stöhnen im Publikum. Zwei Zuschauer wurden auf die Bühne geholt, um Woyzecks Freund Anders zu spielen, und meisterten ihre Aufgabe mit Bravour.
Die Dramaturgin Katja Mickan erklärte, dass das Stück aufgrund der möglichen Aufnahme in den Abiturprüfungsstoff in Mecklenburg-Vorpommern in den Spielplan aufgenommen wurde. Die Inszenierung zeigt eindrucksvoll, wie soziale Unterdrückung und Demütigungen einen Menschen in den Wahnsinn treiben können. Das Publikum quittierte die Vorstellung mit tosendem Applaus und Jubel.



