Evangelische Schulen in Berlin: 25 Jahre als Gegenentwurf zur DDR-Pädagogik
Evangelische Schulen Berlin: 25 Jahre Gegenentwurf zur DDR-Pädagogik

Eine Erfolgsgeschichte: Evangelische Schulen in Berlin feiern 25-jähriges Bestehen

Im Jahr 2001 öffnete die Evangelische Schule Berlin Mitte (ESBM) ihre Türen – ein Gegenentwurf zu den veralteten pädagogischen Methoden, die nach der Wende in vielen Klassenzimmern noch vorherrschten. Heute, 25 Jahre später, blicken die Gründer und die Schulgemeinschaft stolz auf eine bewegte Zeit zurück. Die Schule, die aus einer Elterninitiative entstand, ist längst zu einer festen Größe in der Berliner Bildungslandschaft geworden.

Die Anfänge: Vom Küchentisch zur Schulgründung

Alles begann 1999 mit einem einfachen Zettel, den Anne Bresgott in Bioläden, an Laternenpfählen und beim Bäcker aufhängte: „Wir wollen eine Schule gründen – wer macht mit?“ Die Resonanz war überwältigend. Bereits im Januar 2000 gründeten sieben Eltern einen Trägerverein. Nach unzähligen Treffen, Telefonaten und Renovierungsarbeiten nahm die ESBM im Sommer 2001 ihren Betrieb auf – mit 16 Kindern, einem Lehrer und einer Schulleiterin. Die ersten Jahre waren geprägt von Improvisation und Eigeninitiative: Eltern verbrachten ihre Wochenenden mit Streichen, Spachteln und Möbelbau, während die Kinder halfen oder spielten.

Der pädagogische Gegenentwurf zur DDR-Schule

Die Motivation der Gründer war tief in der eigenen Erfahrung verwurzelt. Anne Bresgott hatte in der DDR das Kirchliche Oberseminar in Potsdam besucht, einen Ort des freien Denkens. Ihr Ideal war eine Schule als angstfreier Raum, in dem Kinder mit Staunen begleitet werden. Die Realität in vielen Berliner Schulen nach der Wende sah anders aus: Militärische Ordnungsprinzipien wie Zweierreihen und Disziplin standen im Vordergrund, während Kooperation und Hilfsbereitschaft vernachlässigt wurden. „Dafür waren wir 1989 nicht auf die Straße gegangen“, sagt Bresgott. Viele junge Lehrkräfte waren abgewandert, übrig blieben oft jene, die an autoritären Methoden festhielten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Herausforderungen der Gründungszeit

Die Jahrtausendwende war ein schwieriger Zeitpunkt für eine Schulgründung: Der Geburtenrückgang und Wegzüge führten zu halb leeren Klassenzimmern, und fortschrittlich ausgebildete Lehrkräfte waren rar. Dennoch ließen sich die Eltern nicht entmutigen. Sie akquirierten Gelder bei Stiftungen, leisteten Eigenarbeit und verhandelten mit der Evangelischen Schulstiftung. 2003 übernahm die Stiftung die Trägerschaft, 2006 kaufte sie das Gebäude. Die Kooperationsvereinbarung sicherte dem Elternverein Mitspracherechte in wesentlichen Fragen.

Reformpädagogik und Inklusion als Markenzeichen

Heute werden an der ESBM rund 300 Kinder in zwölf regulären Klassen und einer Willkommensklasse unterrichtet. Der reformpädagogische Ansatz zeigt sich in jahrgangsübergreifendem Lernen, Wochenplanarbeit und einem inklusiven Konzept. Rund zehn Prozent der Schüler haben sonderpädagogischen Förderbedarf, darunter acht Kinder mit Trisomie 21. „Inklusion ist enorm wichtig in unserem Schulalltag“, betont Schulleiterin Kerstin Hagedorn. Die Schule arbeitet mit 28 Lehrkräften und 29 Erziehern in Teilzeit, um individuelle Förderung zu ermöglichen.

Das evangelische Profil: Offenheit trotz Namens

Der Name „Evangelisch“ stieß bei manchen Gründungsmitgliedern auf Kritik. Sie fürchteten, dass er abschreckend wirken könnte. Tatsächlich ist die Schule offen für alle – unabhängig von Glauben, Herkunft oder Beeinträchtigung. Der Religionsunterricht behandelt alle Weltreligionen, und die Gottesdienste werden von den Schülern mitgestaltet. Die Eltern unterschreiben bei der Anmeldung, das evangelische und reformpädagogische Profil mitzutragen.

Blick in die Zukunft: Anerkennung und Wünsche

Die Nachfrage ist riesig: „Wir haben jedes Jahr dreimal so viele Anmeldungen wie Plätze“, sagt Hagedorn. Anne Bresgott wünscht sich mehr politische Anerkennung für private Schulen und strukturelle Verbesserungen, etwa bei der Schulleitung. „Es ist gelungen, hier eine echte Alternative zu schaffen“, resümiert sie. Die Evangelische Schule Berlin Mitte bleibt ein leuchtendes Beispiel für engagierte Eltern und reformpädagogische Visionen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration