Von der Hauptschülerin zur Professorin: Christina Möllers beeindruckender Weg
Von der Hauptschülerin zur Professorin: Christina Möller

Christina Möller hat einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt: Von der Hauptschülerin zur Soziologieprofessorin. Die 58-Jährige wuchs in einer Arbeiterfamilie im Ruhrgebiet auf, besuchte die Hauptschule und absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Bürogehilfin. Rund 40 Jahre später lehrt und forscht sie als Professorin für Soziologie an der Hochschule Niederrhein. Im Interview mit dem SPIEGEL spricht sie über ihre Motivation, ihre Zweifel und die Bedeutung von Bildung.

„Bildung war der Gewinn meines Lebens“

„Ich habe gemerkt: Ich bin ja doch nicht dumm“, erinnert sich Möller an den Wendepunkt in ihrem Leben. Nach der Ausbildung zur Bürogehilfin arbeitete sie in verschiedenen Bürojobs, doch sie spürte, dass sie mehr wollte. Mit Anfang 30 entschloss sie sich, das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. „Es war ein langer und steiniger Weg, aber ich wusste: Wenn ich das nicht versuche, werde ich es immer bereuen.“

Möller betont, dass ihre Herkunft sie lange geprägt habe: „In meiner Familie war niemand studiert. Bildung hatte keinen hohen Stellenwert. Ich musste mir alles selbst erarbeiten.“ Nach dem Abitur studierte sie Soziologie an der Universität Duisburg-Essen und promovierte anschließend. „Meine Eltern waren stolz, aber sie konnten mir nicht helfen – weder finanziell noch mit Ratschlägen.“

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Vom Bürojob zur Professur

Der Sprung von der Bürogehilfin zur Professorin war nicht einfach. Möller berichtet von vielen Hindernissen: „Ich hatte oft das Gefühl, nicht dazuzugehören. An der Universität traf ich auf Kommilitonen aus Akademikerfamilien, die selbstverständlich mit den Abläufen vertraut waren. Ich musste mir alles erst erschließen.“ Doch sie ließ sich nicht entmutigen. Nach der Promotion arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und habilitierte sich schließlich. „Es war ein Marathon, kein Sprint.“

Heute forscht Möller zu sozialer Ungleichheit und Bildungsmobilität. „Ich möchte anderen Mut machen, die aus ähnlichen Verhältnissen kommen. Bildung ist der Schlüssel – nicht nur für den Beruf, sondern auch für die persönliche Entwicklung.“ Sie ist überzeugt, dass ihr Werdegang kein Einzelfall sein muss: „Das Bildungssystem muss durchlässiger werden. Es darf nicht sein, dass die Herkunft über den Lebensweg entscheidet.“

Ein Vorbild für viele

Möller engagiert sich in Mentoring-Programmen für Studierende aus nicht-akademischen Familien. „Ich sehe mich als Botschafterin für den zweiten Bildungsweg. Viele junge Menschen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben. Sie brauchen nur jemanden, der ihnen zeigt: Du kannst das schaffen.“

Auf die Frage, was sie jungen Menschen mit auf den Weg geben würde, antwortet sie: „Habt keine Angst vor Umwegen. Mein Weg war nicht gerade, aber er hat mich genau hierher geführt. Jeder Schritt hat sich gelohnt.“ Heute ist Christina Möller nicht nur Professorin, sondern auch ein lebendiges Beispiel dafür, dass Bildung den sozialen Aufstieg ermöglicht – auch wenn der Weg lang ist.

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