In Lichterfelde sorgt die Entscheidung, zwei 7. Klassen an ein Oberstufenzentrum auszulagern, für großen Unmut. Da Plätze an Sekundarschulen fehlen, müssen Zwölfjährige nun gemeinsam mit jungen Erwachsenen an einem Standort lernen. Eltern sind fassungslos und protestieren gegen die als ungeeignet empfundene Lösung.
Schlechter Start für die Siebtklässler
Tom Pawlak, Schulsozialarbeiter an der Max-von-Laue-Schule, bezeichnet die Situation als „schlechten Start“ für die betroffenen Schüler. Die räumliche und soziale Trennung von den älteren Schülern sei kaum gegeben, was zu Konflikten und Ausgrenzung führe. „Die Kinder fühlen sich ausgegrenzt und sind verunsichert“, so Pawlak gegenüber der Berliner Zeitung.
Hintergrund der Auslagerung
Grund für die Notlösung ist ein akuter Mangel an Sekundarschulplätzen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Die Bezirksverwaltung hatte im Frühjahr 2026 angekündigt, dass für das Schuljahr 2026/27 nicht genügend Plätze an den regulären Sekundarschulen zur Verfügung stehen. Als Übergangslösung wurden zwei 7. Klassen an das Oberstufenzentrum (OSZ) Lichterfelde verlegt, das eigentlich für Berufsschüler und Oberstufenschüler konzipiert ist.
Proteste der Eltern
Elternvertreter haben eine Petition gestartet, die bereits über 1.200 Unterschriften gesammelt hat. Sie fordern eine Rückverlegung der Klassen an eine Sekundarschule oder zumindest eine bessere räumliche Abtrennung innerhalb des OSZ. „Unsere Kinder werden hier wie Versuchskaninchen behandelt“, sagt eine Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Sie sind viel zu jung, um mit 18- bis 20-Jährigen auf einem Flur zu sein.“
Reaktion der Schulverwaltung
Die Senatsbildungsverwaltung verweist auf die angespannte Raumsituation in Berlin. Man sei bemüht, für das kommende Schuljahr eine dauerhafte Lösung zu finden. Ein Sprecher betonte: „Die Sicherheit der Schüler hat oberste Priorität. Es gibt klare Regeln für die Nutzung der gemeinsamen Bereiche.“ Ob diese Regeln ausreichen, bezweifeln jedoch viele Eltern.
Auswirkungen auf den Schulalltag
Die Siebtklässler müssen nun weite Wege in Kauf nehmen und fühlen sich in den Pausen unwohl. „Die Großen schauen komisch, manchmal gibt es blöde Sprüche“, berichtet ein 13-jähriger Schüler. Der Schulsozialarbeiter Tom Pawlak berichtet von erhöhtem Beratungsbedarf: „Viele Kinder kommen zu mir, weil sie sich nicht wohlfühlen. Wir versuchen, sie zu stärken, aber die räumliche Nähe zu den Oberstufenschülern ist eine tägliche Herausforderung.“
Forderungen der Elternschaft
Die Eltern fordern nicht nur eine sofortige Verbesserung der Situation, sondern langfristig den Bau neuer Sekundarschulen im Bezirk. „Es kann nicht sein, dass unsere Kinder die Leidtragenden einer jahrelangen Planungspleite sind“, so ein Vater. Die Bezirksverordnetenversammlung hat das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt.



