Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) – Nach ihrer viral gegangenen Wutrede mit dem Ausruf „Fickt euch einfach nur alle!“ rudert die Abiturientin Ellenor Bockentin (18) nun teilweise zurück – zumindest in der Wortwahl. Inhaltlich stehe sie jedoch weiterhin hinter ihrer Kritik. „Ich würde die Rede inhaltlich immer noch so halten, aber ich würde sie anders formulieren“, sagte Bockentin dem „Nordkurier“. Ihr gehe es nicht darum, ihre Schule schlechtzumachen, sondern auf Missstände aufmerksam zu machen.
Debatte um einen Satz
Die 18-Jährige ärgert sich darüber, dass sich die öffentliche Diskussion auf einen kurzen, emotionalen Satz konzentriere. „In den Medien wird ja jetzt vor allem auf einen kleinen Auszug der Rede abgestellt“, zitiert die Zeitung die Schülerin. Der Satz sei nur ein Nebenaspekt gewesen. Viel wichtiger sei ihr die Kritik an den Umständen rund um das Abitur.
Hohe Durchfallquote als Auslöser
Auslöser der Rede war die hohe Zahl durchgefallener Schüler: Insgesamt 17 der 52 Abiturienten des Robert-Stock-Gymnasiums in Hagenow bestanden die Prüfungen nicht, eine Person wurde gar nicht erst zugelassen. Bockentin berichtet, sie und viele Mitschüler hätten aufgrund ihrer bisherigen Leistungen nicht mit einem Durchfallen gerechnet. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse habe es aus ihrer Sicht keine ausreichende Möglichkeit gegeben, mit Lehrern über die überraschend schlechten Noten zu sprechen. „Das hat uns enttäuscht“, sagte sie.
Mathe-Klausur wirft Fragen auf
Besonders die Ergebnisse in Mathematik werfen aus Sicht der Schülerin Fragen auf. Laut ihren Angaben habe in den beiden Grundkursen etwa die Hälfte der Schüler null Punkte erzielt. Nur wenige hätten die Klausur überhaupt bestanden. Für Bockentin ist das ein Hinweis darauf, dass viele Schüler möglicherweise nicht ausreichend auf die Anforderungen des Zentralabiturs vorbereitet worden seien.
Mündliche Deutschprüfung unter Kritik
Kritisch sieht die Abiturientin zudem die mündliche Deutschprüfung: Ein Lehrer des Deutsch-Leistungskurses sei an nur drei Prüfungen beteiligt gewesen – ausgerechnet diese drei Schüler seien durchgefallen. Bockentin betont jedoch ausdrücklich, niemandem etwas unterstellen zu wollen. Aber: „Ich finde es gut, wenn geprüft wird, ob es da Zusammenhänge gibt.“
Eltern beantragen Akteneinsicht
Deshalb wollen die Schülerin und ihre Eltern nun die Prüfungsunterlagen einsehen. Ziel sei es, die Bewertungen nachvollziehen zu können. „Wir wollen verstehen, welche meiner Antworten wie bewertet worden sind“, sagt sie. Die Akteneinsicht soll Klarheit über die Benotung bringen und mögliche Ungereimtheiten aufdecken.



