Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Nordrhein-Westfalen hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Laut dem vierten Jahresbericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen (RIAS NRW) stieg die Anzahl der gemeldeten Ereignisse um 17 Prozent auf insgesamt 1.102. Das bedeutet durchschnittlich 21 Vorfälle pro Woche.
Gewaltbereitschaft nimmt zu
Nicht nur die Fallzahl hat sich erhöht, sondern auch die Brutalität der Taten. Im Jahr 2025 gab es rund 78 Prozent mehr versuchte und tatsächliche Angriffe auf jüdische Menschen. Insgesamt wurden 32 solcher Übergriffe dokumentiert. Die Zahl der Bedrohungen verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 33 Meldungen. „Antisemitismus äußerte sich in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2025 bedrohlicher und gewalttätiger als zuvor“, heißt es in dem 60-seitigen Bericht.
Appell der Integrationsministerin
NRW-Integrationsministerin Verena Schäffer (Grüne) bezeichnete die Entwicklung als „einen klaren Auftrag zum Handeln“ für die Landesregierung. Sie betonte jedoch auch: „Antisemitismus beginnt nicht erst bei Straftaten, sondern bei diskriminierendem und verletzendem Verhalten.“ Daher seien alle Bürgerinnen und Bürger gefordert, antisemitischen Einstellungen und Parolen entschieden zu widersprechen.
Israelbezogener Antisemitismus dominiert
Die meisten erfassten Vorfälle waren israelbezogen. Besonders häufig kommt es im öffentlichen Raum – auf offener Straße, an Bildungseinrichtungen oder im Internet – zu antisemitischen Vorfällen. Dies beeinträchtigt bereits das Sicherheitsgefühl und die gesellschaftliche Teilhabe von Jüdinnen und Juden. Jörg Rensmann, Leiter der Meldestelle RIAS NRW, unterstrich die Bedeutung einer konsequenten Dokumentation: „Umso wichtiger ist es, antisemitische Vorfälle konsequent zu dokumentieren, Betroffene zu unterstützen und jeder Form der Relativierung und Normalisierung entschieden entgegenzutreten.“



