Stundenlanges Sitzen ohne Unterbrechung erhöht das Risiko, an Krebs zu sterben. Eine neue Studie der University of Glasgow zeigt jedoch, dass bereits kurze Bewegungspausen einen deutlichen Unterschied machen können. Die im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Untersuchung analysierte Daten von 91.292 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der britischen UK Biobank, die über zwölf Jahre begleitet wurden. Ihr Durchschnittsalter lag bei 56 Jahren.
Zentrale Erkenntnisse zur Sitzdauer
Die Forschenden um Frederick Ho nutzten Bewegungssensoren, um das Verhalten objektiv zu messen – im Gegensatz zu vielen früheren Studien, die auf Selbstauskünften beruhten. Die Sensoren zeichneten über sieben Tage auf, ob die Probanden saßen, gingen oder sich intensiver bewegten. Als lange Sitzphase definierten die Wissenschaftler zusammenhängende Ruhephasen von mindestens 30 Minuten, in denen mindestens 90 Prozent der Zeit sitzend oder liegend verbracht wurden.
Die Auswertung ergab: Mit jeder zusätzlichen Stunde ununterbrochenen Sitzens pro Tag stieg das Risiko, an Krebs zu sterben, um rund zehn Prozent. Umgekehrt war jede zusätzliche Stunde unterbrochenen Sitzens mit einem um 19 Prozent geringeren Risiko verbunden. Ho erklärte: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht nur die Gesamtdauer der sitzenden Tätigkeit, sondern auch die Art und Weise, wie sich diese Zeit ansammelt, für das Krebsrisiko von Bedeutung sein könnte.“
Bewegung als Gegenmittel
Die Studie untersuchte auch, was passiert, wenn langes Sitzen durch Bewegung ersetzt wird. Ersetzten Teilnehmende rechnerisch eine Stunde langes Sitzen durch eine Stunde leichte Bewegung – etwa gemütliches Gehen oder Hausarbeit –, sank das Krebssterberisiko um zwölf Prozent. Noch deutlicher war der Effekt bei intensiverer Aktivität: Bereits fünf Minuten kräftige Bewegung pro Tag, wie schnelles Treppensteigen oder Joggen, waren mit einem 22 Prozent geringeren Risiko verbunden. Wer 30 Minuten moderate Bewegung anstelle einer langen Sitzphase absolvierte, hatte ein um acht Prozent geringeres Risiko.
Einschränkungen und Bedeutung
Die Forschenden betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen kausalen Beweis liefert. Andere Faktoren könnten die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem wurde das Bewegungsverhalten nur zu Beginn über sieben Tage gemessen; Änderungen in den folgenden zwölf Jahren sind nicht erfasst. Auch die Zusammensetzung der Studiengruppe aus freiwilligen Teilnehmern der UK Biobank, die oft gesundheitsbewusster sind, schränkt die Verallgemeinerbarkeit ein. Dennoch unterstreicht die Studie die Bedeutung von regelmäßigen Bewegungspausen im Alltag. Schon kleine Unterbrechungen des Sitzens könnten einen großen Unterschied für die Gesundheit machen.



