Rund 160.000 Menschen verlassen jedes Jahr Berlin, viele ziehen nach Brandenburg. Tobias Walder (52) war einer von ihnen. Vor elf Jahren zog er mit seiner Frau und zwei Kindern nach Fürstenwalde im Landkreis Oder-Spree, etwa 80 Kilometer östlich der Hauptstadt. Dort erfüllte sich die Familie den Traum vom eigenen Haus. Doch die Beziehung zerbrach, und Walder – der seinen echten Namen nicht veröffentlicht sehen möchte – ist zutiefst unglücklich. „Der Osten Deutschlands ist eine andere Welt“, sagt er. Er würde am liebsten sofort nach Berlin zurückkehren.
Der Traum vom Haus wird zum Albtraum
Walder schildert seine Erfahrungen als eine Reihe von Enttäuschungen. Fürstenwalde sei heruntergekommen, viele Menschen seien schlecht gelaunt. „Die Stadt wirkt vernachlässigt, die Infrastruktur ist marode“, beklagt er. Besonders der öffentliche Nahverkehr bereitet ihm Sorgen: „Fällt der Regio aus, steht man da – oft stundenlang.“ Die anfängliche Hoffnung auf ein besseres Leben im Grünen sei schnell verflogen.
Kulturelle Unterschiede und fehlende Anbindung
Der 52-Jährige vermisst das kulturelle Angebot Berlins, die Vielfalt und die Offenheit der Menschen. In Fürstenwalde fühle er sich isoliert. „Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben wäre“, so Walder. Die fehlende Anbindung an die Hauptstadt macht ihm schwer zu schaffen. Pendeln sei anstrengend und unzuverlässig. Viele Nachbarn hätten ähnliche Klagen, aber wenige sprächen offen darüber.
Ein Einzelschicksal mit vielen Parallelen
Walders Geschichte steht exemplarisch für viele Berliner, die den Schritt ins Umland wagen und später bereuen. Laut Statistik kehrt ein Teil der Weggezogenen innerhalb weniger Jahre zurück. Die Gründe sind vielfältig: fehlende Arbeitsplätze, schlechte Infrastruktur, kulturelle Unterschiede. Walder selbst arbeitet noch in Berlin und pendelt täglich – eine Belastung, die er sich so nicht vorgestellt hatte.
Die Sehnsucht nach der Hauptstadt
Tobias Walder hat inzwischen konkrete Pläne für eine Rückkehr. „Ich will wieder nach Berlin, in meine alte Umgebung“, sagt er. Die Wohnungssuche in der Hauptstadt gestaltet sich jedoch schwierig. Die Mieten sind hoch, das Angebot knapp. Dennoch ist er optimistisch: „Lieber eine kleine Wohnung in Berlin als ein großes Haus in Fürstenwalde.“ Seine Erfahrung hat ihn gelehrt, dass der Traum vom Haus nicht immer das hält, was er verspricht.



