Die Europäische Kommission hat vorläufige Ergebnisse einer Untersuchung veröffentlicht, wonach die Plattformen Instagram und Facebook ein zu hohes Suchtpotenzial für Kinder und Jugendliche aufweisen. Besonders kritisiert werden stark personalisierte Empfehlungen und die automatische Wiedergabe von Videos, die junge Nutzer in eine Dauerschleife aus Inhalten ziehen könnten. Das Verfahren gegen den Mutterkonzern Meta wird nun weiter vorangetrieben.
Personalisierte Algorithmen im Fokus der Kritik
Laut EU-Kommission bergen die von Meta betriebenen sozialen Netzwerke erhebliche Risiken für die psychische Gesundheit Minderjähriger. Die Algorithmen seien darauf ausgelegt, die Verweildauer zu maximieren, indem sie Inhalte vorschlagen, die auf dem bisherigen Nutzungsverhalten basieren. Dies führe zu einer verstärkten Bindung und erschwere es jungen Menschen, sich von den Plattformen zu lösen. Die Kommission betont, dass die automatische Wiedergabe von Videos – ähnlich wie bei TikTok – ein zentraler Faktor für suchtähnliches Verhalten sei.
Meta weist Vorwürfe zurück
Meta hat die Vorwürfe zurückgewiesen und argumentiert, dass die Plattformen zahlreiche Sicherheits- und Wohlfühlfunktionen für Jugendliche böten. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte: „Wir haben in den letzten Jahren umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit von Minderjährigen zu gewährleisten, darunter elterliche Kontrollmöglichkeiten und Altersverifikationen.“ Die EU-Kommission sieht jedoch weiterhin erheblichen Handlungsbedarf und droht mit Sanktionen, falls Meta die Auflagen nicht erfülle.
Rechtliche Grundlage: Digital Services Act
Das Verfahren stützt sich auf den Digital Services Act (DSA), der seit Februar 2024 für große Plattformen vollständig gilt. Der DSA verpflichtet Unternehmen wie Meta zu einer systematischen Risikobewertung ihrer Dienste und zur Einführung von Maßnahmen, die besonders gefährdete Gruppen wie Minderjährige schützen. Die EU-Kommission kann bei Verstößen Geldstrafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. Im Fall von Meta wäre das ein Betrag in Milliardenhöhe.
Auswirkungen auf andere Plattformen
Die Entscheidung der EU könnte Signalwirkung für andere soziale Netzwerke haben. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Kommission ähnliche Bedenken gegen TikTok geäußert. Beobachter rechnen damit, dass künftig auch Dienste wie Snapchat oder YouTube verstärkt ins Visier der Regulierungsbehörden geraten. Die EU-Kommission kündigte an, die Untersuchungen auszuweiten und die Einhaltung der Regeln für alle großen Plattformen zu überwachen.
Forderungen nach strengeren Regeln
Verbraucherschutzorganisationen begrüßen das entschlossene Vorgehen der EU. „Die Plattformen müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden“, sagte eine Sprecherin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. „Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig für manipulative Designs, die sie in endlosen Feed fesseln. Hier sind gesetzliche Vorgaben dringend nötig.“ Die EU-Kommission will die Ergebnisse der Untersuchung in den kommenden Monaten abschließen und dann über konkrete Auflagen oder Strafen entscheiden.



