Berlin bereitet sich auf ein extrem heißes Wochenende vor. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert für Samstag und Sonntag Tageshöchsttemperaturen von bis zu 41 Grad, bei leichtem Wind und wolkenlosem Himmel. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat für Samstag eine Warnung vor „extremer Wärmebelastung“ herausgegeben und betont, dass insbesondere im dicht bebauten Stadtgebiet mit einer verringerten nächtlichen Abkühlung zu rechnen sei.
Warnstufe Unwetter: Gesundheitliche Risiken durch Hitze
Die Warnstufe wurde auf „Unwetter“ gesetzt. „Hitzebelastung kann für den menschlichen Körper gefährlich werden und zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen“, heißt es in der Mitteilung. Die Behörde rät: „Vermeiden Sie nach Möglichkeit die Hitze, trinken Sie ausreichend Wasser und halten Sie die Innenräume kühl.“ Die Berliner Bäder-Betriebe rechnen mit bis zu 100.000 Besuchern an diesem Wochenende. 14 Freibäder und das Strandbad Wannsee haben bis zum Abend geöffnet. Die Betreiber empfehlen, Eintrittskarten vorab online zu kaufen. Auf der Internetseite lässt sich zudem in Echtzeit verfolgen, wie voll die Bäder sind und wo die verfügbaren Eintritte knapp werden könnten.
Feuerwehr erwartet mehr Einsätze
Die Berliner Feuerwehr rechnet mit einer erhöhten Anzahl von Einsätzen. Ein Sprecher erklärte: „Sowohl beim Rettungsdienst für Menschen mit gesundheitlichen Problemen als auch bei der Rettung nach Unfällen an Badegewässern rechnen wir mit einer erhöhten Anzahl wärmebedingter Einsätze.“ Bei hochsommerlicher Wärme gebe es in der Regel mehr Fälle von Kreislaufproblemen und mehr Vorfälle an Gewässern, da es dort voll werde. Zudem vertrügen manche Menschen Alkohol bei Hitze schlechter.
Ärzte der Vivantes-Kliniken wiesen darauf hin, dass Kleinkinder besonders anfällig für Überhitzung seien. Warnzeichen seien eine erhöhte Körpertemperatur oder ein eingeschränktes Bewusstsein. In den Rettungsstellen seien bereits Kinder behandelt worden.
BVG und Waldbühne: Maßnahmen gegen die Hitze
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lassen am Wochenende auch in den Abendstunden U-Bahnen mit der maximalen Wagenzahl fahren, um den Fahrgästen mehr Platz zu bieten. Die Beschäftigten werden unter anderem durch die Bereitstellung von Trinkwasser an Endstellen, in Betriebshöfen und Werkstätten unterstützt, wie die BVG mitteilte.
Angesichts der erwarteten Hitze lockert auch das Spitzenorchester der Berliner Philharmoniker die Kleiderordnung für sein berühmtes Saisonabschlusskonzert am Samstagabend in der Waldbühne. Eine Sprecherin des Orchesters sagte: „Die Bühne liegt abends glücklicherweise im Schatten.“ Besucher dürfen einen Liter alkoholfreies Getränk in Kunststoffflaschen oder -packs mitnehmen. Taschenschirme als Sonnenschutz sind erlaubt, Stockschirme jedoch nicht. „Die Herren treten ohne Jackett auf, dafür mit einem schwarzen Hemd als Oberteil“, so die Sprecherin. Die Ärmel dürften hochgekrempelt werden. Das Oberteil der Damen müsse nur bis zum Ellenbogen reichen. Backstage gebe es Getränke und Kühlpacks.
Waldbrandgefahr steigt auf höchste Stufe
Die Waldbrandgefahr in Berlin steigt am Wochenende voraussichtlich auf die höchste Stufe. Für Sonntag geht der DWD von einer Gefahr der Stufe fünf von fünf für Berlin-Buch aus, wie aus dem Waldbrandgefahrenindex hervorgeht. Die Berliner Forsten weisen darauf hin, dass Brandursachen fast immer menschlich und durch Fehlverhalten ausgelöst seien. Grundsätzlich stünden die Wälder jedem zur Erholung offen, betonte ein Sprecher. Im Wald sei es drei bis fünf Grad kühler als außerhalb, das Blätterdach reduziere die Verdunstung.
Grüne fordern kostenfreie Kühlorte in Museen
Die Berliner Grünen setzen sich dafür ein, Kunstmuseen am Wochenende als Kühlorte kostenlos zu öffnen. „Berlin ist völlig unvorbereitet und bietet nicht annähernd ausreichenden Hitzeschutz“, kritisierte der Grünen-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl, Werner Graf. „Berlin sollte deshalb an diesem Wochenende seine Kunstmuseen und Ausstellungshäuser als Kühlorte kostenfrei für alle öffnen.“ Solche Kultureinrichtungen verfügten aus konservatorischen Gründen über eine aufwendige Klimatisierung und könnten so auch zahlreichen Menschen eine Abkühlung bieten.



