Bluttat in Stade: Sechs Tote bei Sorgerechtstreit um Baby
Bluttat in Stade: Sechs Tote bei Sorgerechtstreit

Bei einem Termin zur Regelung des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter hat ein 45-jähriger Mann in Stade sechs Menschen erschossen. Die Opfer waren vier Frauen und zwei Männer, darunter Beschäftigte einer Mutter-Kind-Wohngruppe und drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover. Der Vorfall ereignete sich am Montag gegen Mittag in einem Backsteinhaus in einer ruhigen Wohngegend. Fünf der Getroffenen starben noch am Tatort, ein weiteres Opfer erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Der mutmaßliche Täter, ein türkischer Staatsangehöriger, wurde kurz nach der Tat von der Polizei festgenommen.

Festnahme und Ermittlungen

Der 45-Jährige versuchte mit einem Auto zu fliehen, das von einer 65-jährigen Frau gesteuert wurde. Polizeibeamte schossen auf die Reifen des Fluchtwagens und konnten den Verdächtigen so stoppen. Die 65-Jährige, die nach Behördenangaben eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen hat, wurde ebenfalls vernommen. Ob sie weiterhin in Gewahrsam ist, ließ die Staatsanwaltschaft offen. Die Ermittler prüfen derzeit, ob ein Haftbefehl beantragt wird. Sollte dies geschehen, muss das Amtsgericht Stade noch am Dienstag über eine Untersuchungshaft entscheiden.

Berichte über eine angebliche Clanzugehörigkeit des Täters bestätigte die Polizei nicht. „Wir haben derzeit keine Hinweise dafür, dass eine Clanzugehörigkeit besteht“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der dpa. Der 45-Jährige war polizeilich bekannt, galt aber laut Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol nicht als „absolut gewalttätig“. Eine Waffenbesitzkarte besaß er nicht.

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Spurensicherung und Trauer am Tatort

Die Spurensicherung am Tatort läuft weiter auf Hochtouren. Beamte des Landeskriminalamtes in Schutzkleidung vermessen das Gebäude und fertigen spezielle Aufnahmen an. Die Straße ist auf einer Länge von rund 200 Metern gesperrt. Vor dem Haus liegen eine kaputte Mülltonne und Farbmarkierungen. Anwohner, die trotz Absperrung zu ihren Häusern dürfen, zeigen sich erschüttert. Immer wieder legen Menschen Blumen nieder oder stellen Kerzen auf, um der Opfer zu gedenken. Die Sperrung soll voraussichtlich den gesamten Dienstag andauern.

Die Tat hat bundesweit und international für Bestürzung gesorgt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf der Plattform X: „Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark.“ Auch zahlreiche andere Politiker und Behördenvertreter äußerten ihre Anteilnahme.

Unterstützung für Betroffene

Niedersachsens Landesbeauftragter für Opferschutz, Thomas Pfleiderer, hat ein kostenloses Beratungstelefon eingerichtet, über das akute Hilfe durch psychosoziale Berater vermittelt wird. „Wir können nicht ungeschehen machen, welches Leid durch den Akt der Gewalt über so viele Menschen gebracht wurde“, sagte Pfleiderer. „Wir können aber nach besten Kräften an der Seite der Betroffenen stehen.“ Die Hilfe richtet sich an Angehörige, Zeugen und Einsatzkräfte, die durch die Ereignisse traumatisiert sein könnten.

Die 34-jährige Mutter des Kindes und ihre drei Monate alte Tochter blieben bei der Tat unverletzt. Die Polizei befragte die Frau, das Baby wurde in die Obhut des Jugendamtes übergeben. Die Ermittlungen zu den genauen Umständen der Tat dauern an.

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