Nachruf auf Kay Forster: Flucht, Haft und die Freiheit der Musik
Nachruf auf Kay Forster: Flucht, Haft und Musik

Kay Forster, der als junger Mann aus der DDR fliehen wollte, gescheitert war, im Gefängnis saß und schließlich doch noch in den Westen kam, ist tot. Der Keyboarder, der bis zuletzt mit seiner Band „Blackmail“ auftrat, starb im Alter von 80 Jahren. Noch im Krankenhaus hatte er dem Arzt erklärt: „Heute ist Donnerstag, und am Sonnabend bin ich wieder weg, da habe ich Auftritt!“ Der Kardiologe ließ ihn ziehen – doch es kam anders.

Fluchtversuch und Verhaftung

Forster wurde 1944 in Apolda, Thüringen, geboren, doch seine Sehnsucht galt der Ferne. Bereits als Jugendlicher träumte er von der Welt, die seine Vorfahren als Seeleute bereist hatten. Die Musik wurde sein Ersatzmeer: Mit der „Presto Combo“ spielte er Keyboard und Orgel. 1966 unternahm er einen ersten Fluchtversuch im Interzonenzug von Leipzig nach Frankfurt. Doch die Flucht scheiterte – er wurde entdeckt und zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt, darunter Schwerstarbeit im Zementwerk Rüdersdorf.

Repression und erneute Flucht

Nach der Haft blieb er in der DDR, heiratete Christine und bekam Sohn Christoph. Doch die Sehnsucht nach Freiheit blieb. Er stellte fünf Ausreiseanträge, wurde von der Stasi überwacht und 1977 erneut verhaftet – wegen „schwerer staatsfeindlicher Hetze“. Im Gefängnis Hohenschönhausen teilte er die Zelle mit Kuno Kunert von der legendären DDR-Band „Renft“. Beide Keyboarder wurden Freunde fürs Leben. Seine Frau Christine versuchte im Gefängnis Suizid, überlebte aber. 1978 wurde Kay Forster von der Bundesrepublik freigekauft und durfte ausreisen.

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Neuanfang im Westen

In West-Berlin suchte er per Anzeige eine Band und fand sie bei „Copyright“ (später „Blackmail“). Er arbeitete in der Werbung, betreute die riesige Lichtraster-Werbetafel am Ku’damm-Eck und blieb der Musik treu. Er heiratete erneut, reiste um die Welt und engagierte sich im „Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Deutschlands“. Forster starb im Frühjahr 2026 – nur einen Tag vor einem geplanten Auftritt seiner Band.

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