Lost Place in Prenzlauer Berg: DDR-Kaufhalle wich Neubauprojekt
DDR-Kaufhalle in Prenzlauer Berg: Vom Lost Place zum Neubau

Vom DDR-Konsum zum Lost Place: Die Geschichte der Kaufhalle in der Schivelbeiner Straße

Die ehemalige Konsum-Kaufhalle an der Schivelbeiner Straße 34–37 in Berlin-Prenzlauer Berg war über Jahre ein verfallenes Relikt der DDR, bevor sie einem Neubauprojekt weichen musste. Die 1975 eröffnete Kaufhalle diente zunächst der Versorgung des Altbaugebiets rund um den Arnimplatz, wurde 1981 zu einem Teppichgeschäft umfunktioniert und nach der Wende als Teppich-Outlet weitergeführt. Anfang der 2000er-Jahre schloss sie endgültig und verfiel zur modernen Ruine.

Lage und Erreichbarkeit des ehemaligen Lost Place

Das Grundstück liegt an der Adresse Schivelbeiner Straße 34–37 im Ortsteil Prenzlauer Berg des Bezirks Pankow. Die Google-Koordinaten lauten HC25+8CC Berlin. Am besten erreicht man es vom S- und U-Bahnhof Schönhauser Allee (U2, S41, S42, S8, S85 sowie Tram- und Buslinien) aus, von wo aus man etwa sechs Minuten zu Fuß entlang der Schönhauser Allee und der Schivelbeiner Straße geht. Das Gelände befindet sich in Privatbesitz; von der Kaufhalle haben sich vor Ort keine Spuren erhalten.

Die Entstehung der DDR-Kaufhalle im Kalten Krieg

Die DDR-Führung sah die Versorgung der Bevölkerung als propagandistisches Schlachtfeld im Kalten Krieg. Die Konsum-Kaufhalle war die sozialistische Antwort auf den westdeutschen Supermarkt. 1975 eröffnete die Filiale in der damaligen Willi-Bredel-Straße (heute Schivelbeiner Straße) und brachte eine spürbare Verbesserung der Versorgung im Altbaugebiet. Laut der DDR-Zeitung „Neue Zeit“ vom 2. September 1975 sorgten 35 Mitarbeiter dafür, die Wünsche der Kunden zu erfüllen; es wurden rund 600 Artikel im Bereich Nahrungs- und Genussmittel und etwa 1.500 Waren des täglichen Bedarfs angeboten.

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Die Konsumgenossenschaft Berlin: Geschichte und Bedeutung

Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend (KGB) wurde 1899 gegründet und hatte 1908 bereits über 10.000 Mitglieder. In der NS-Zeit wurde sie als marxistische Unterwanderung verfolgt und 1935 aufgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichte Befehl Nr. 176 der Sowjetischen Militäradministration die Wiederaufnahme. Im Westen Berlins wurde die KGB mit Argwohn betrachtet; ihre Westberliner Mitglieder wurden polizeilich überwacht. In der DDR waren Konsum-Filialen allgegenwärtig: Rund 30 Prozent des Einzelhandelsumsatzes entfielen auf Konsum. Ende 1989 zählte die Berliner Konsumgenossenschaft rund 280.000 Mitglieder, beschäftigte 14.000 Mitarbeiter und unterhielt 785 Verkaufsstellen, 62 Kaufhallen, elf Kaufhäuser und 79 Clubgaststätten.

Bauweise und Erscheinungsbild der Kaufhalle

Die Kaufhalle war ein typischer eingeschossiger Hallenflachbau in Leichtmetallbauweise mit Fertigteilstützen, -riegeln und -deckenplatten. Auf einem rechteckigen Grundriss von 640 Quadratmetern betrug die Verkaufsfläche knapp 300 Quadratmeter; der Rest entfiel auf Lager, Warenannahme, Technik und Personalräume. Charakteristisch waren die kubische Bauform und das Spannbetonflachdach. Am überdachten Eingang an der Nordseite wies das rote Konsum-Logo – ein Industrieschornstein und eine Handsichel, die ein großes K bildeten – den Weg. Östlich befanden sich Kundenparkplätze und die Warenanlieferung. Die Halle stand auf einer seit den Kriegsjahren brachliegenden Fläche, auf der zuvor gründerzeitliche Stadthäuser und das Kino „Arnim-Lichtspiele“ gestanden hatten.

Von der Lebensmittelversorgung zum Teppichgeschäft

Sechs Jahre nach der Eröffnung bekam die Kaufhalle Konkurrenz: Die größere Konsum-Kaufhalle an der Ecke Schivelbeiner Straße/Seelower Straße mit 1.070 Quadratmetern Verkaufsfläche übernahm die Lebensmittelversorgung. Daraufhin wurde die ältere Halle 1981 zu einer spezialisierten Verkaufseinrichtung für Teppiche und Auslegwaren umfunktioniert. Das Sortiment umfasste Tufting-Auslegware, Nadelfilz, Webteppiche, Orient-Imitate aus Sachsen, Spannteppiche und Malipol-Stoffe. Nach der Wirtschaftsunion 1990 kamen auch Westwaren hinzu.

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Verfall nach der Wende und Abriss

Mit der Wiedervereinigung geriet die Konsumgenossenschaft unter Konkurrenzdruck, trennte sich von zahlreichen Verkaufsstellen und entließ Tausende Mitarbeiter. Im September 1992 schloss sie ihre letzte Verkaufsstelle. Die Teppich-Filiale an der Schivelbeiner Straße wurde noch als Outlet weitergeführt, bis sie Anfang der 2000er-Jahre endgültig schloss. In der Folgezeit verfiel das Gebäude: Graffitis überzogen die Fassaden, die Metallträger rosteten, und hinter den verschmierten Schaufenstern sammelten sich Staub und Dreck. Während die Altbauten im Arnimkiez saniert wurden, verkam die Ex-Kaufhalle zur Ruine.

Neubauprojekt ersetzt die DDR-Ruine

Ein Investor übernahm das Grundstück und plante einen siebengeschossigen, L-förmigen Geschäfts- und Wohnungsneubau. Im August 2009 begannen die Abrissvorbereitungen; die Kaufhalle wurde Stück für Stück demontiert. Nach der Schadstoffbeseitigung wurden die Materialien im selektiven Rückbau sortenrein getrennt und recycelt. 2010 starteten die Hochbauarbeiten nach Plänen des Architekturbüros „Heinhaus + Honnef“. Das neue Gebäude ist ein familiengerechter Mietwohnungsneubau als effizientes Niedrigenergiehaus nach Passivhausstandard mit begrünten Dachflächen, Photovoltaik-Modulen, Grauwasserrecycling, einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk und Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung. Es umfasst 41 Wohneinheiten, eine Tiefgarage, einen Gemeinschaftsgarten und vier Gewerbeeinheiten im Sockelgeschoss. 2011 war der Bau bezugsfertig. Im Gebäude befindet sich unter anderem der Store des Fair-Fashion- und Vegan-Anbieters „Deargoods“; lange Zeit gab es dort die erste Filiale der veganen Supermarktkette „Veganz“, die 2023 schloss. An die alte Konsum-Kaufhalle erinnert vor Ort nichts mehr.