Giffey kontert Wegner-Attacke mit eigenem Kochbuch in Berlin-Wahlkampf
Giffey kontert Wegner-Attacke mit Kochbuch

Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (48, SPD) hat auf die öffentliche Kritik von Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) an ihren Koch- und Mode-Posts in sozialen Medien mit einem eigenen Kochbuch reagiert. Das Buch mit dem Titel „Giffeys Kleines Kochbuch“ enthält zwölf berlinische Rezepte, darunter ihre berühmten Bouletten. Giffey bereitet diese mit vier Esslöffeln Senf auf ein Kilo gemischtes Hackfleisch zu, die beiden Schrippen weichen zuvor zwei Stunden in Wasser ein, dazu kommen zwei Eier, vier Zwiebeln, Pfeffer, Salz und Hackfleischgewürz. Das Foto für das Kochbuch machte ihr 16-jähriger Sohn. Insgesamt wurden 4000 Exemplare gedruckt, finanziert aus Wahlkampfspenden, und werden kostenlos im Wahlkreis verteilt. Bei 21.800 Haushalten könnte die Rezeptsammlung bald in knapp jedem fünften Rudower Haushalt landen.

Hintergrund der politischen Küchenschlacht

Der Konflikt entzündete sich, als Wegner im Neuköllner Ortsteil Rudow direkt gegenüber von Giffeys Wahlkreisbüro mit einem Mikrofon auftrat und sagte: „Ich weiß nicht, also ich finde das auch wichtig, ob man Lachslasagne kochen kann oder nicht. Ich finde auch wichtig, welchen Kuchen man am Wochenende backt. Ist alles wichtig, auch was man in Indien anzieht und tanzt. Aber am wichtigsten ist, wenn man einen Abgeordneten hat, der ansprechbar ist …“ Wegner bezog sich damit auf Giffeys Instagram-Posts, in denen sie unter anderem Kochrezepte und Outfits zeigte. Der örtliche CDU-Kandidat postete die Aussage auf Instagram. Giffey sah das Video und beschloss, darauf zu reagieren.

Die SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (46) kommentierte scharf: „Selbst kaum etwas auf die Reihe kriegen, aber die doppelt so hart arbeitende Senatorin auf Küche und Kleid reduzieren. Ganz kleines Tennis.“ Dies war eine Anspielung auf Wegners zunächst verheimlichtes Tennismatch während des Stromausfalls im Januar, von dem 50.000 Haushalte betroffen waren. Giffey selbst äußerte sich zunächst zurückhaltend mit einem Zitat von Michelle Obama: „When they go low, we go high.“

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Giffeys Motivation und Botschaft

Giffey erklärte gegenüber BILD: „So was zu machen, ist irgendwie platt. Es gibt leider oft eine Reduktion auf Klamotten, Stimme, Haare. Diese Abwertung der Leistung von Frauen sieht man an vielen Stellen.“ Sie ist überzeugt: „Frauen in Führungspositionen müssen mehr kämpfen, um gleichberechtigt ernst genommen zu werden.“ Mit dem Kochbuch wolle sie nicht nur auf die Attacke reagieren, sondern auch auf eine andere Art und Weise mit den Bürgern ins Gespräch kommen: „Ich wollte nicht irgendeinen Flyer machen, sondern auf eine andere Art und Weise ins Gespräch kommen.“

Das Kochbuch enthält für den Monat Juni eine Obsttorte, deren Boden mit einem halben Fläschchen Rumaroma verfeinert wird. Giffey wird Wegner ein handsigniertes Exemplar überreichen. Der Hintergrund des Wahlkampfs ist angespannt: Am 20. September stehen fünf Parteien in Berlin in Umfragen fast gleichauf zwischen 15 und 20 Prozent – CDU, AfD, Grüne, Linke und SPD. Eine bundesweit einmalige Kopf-an-Kopf-Ausgangslage, bei der es für Wegner um den Erhalt des Roten Rathauses geht.

Bisherige Angriffe auf Giffeys Erscheinungsbild

Bereits früher hatten die Berliner Grünen in einem Wahlkampfvideo Giffeys Outfits thematisiert. In dem Video lobten sie ihr Programm als Gegenentwurf zu Giffeys Vorliebe für Zweiteiler: „Politik, die sich in kein Kostüm zwängen lässt …“ Giffey sieht darin ein wiederkehrendes Muster: Frauen in Führungspositionen würden häufig auf Äußerlichkeiten reduziert, statt auf ihre Leistungen.

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