Die Berliner Grünen fordern, dass die Hauptstadt am Wochenende ihre Museen als Schutzräume gegen die extreme Hitze öffnet. Die Stadt müsse flexibel und unbürokratisch auf die Hitzewelle reagieren und „seine Kunstmuseen und Ausstellungshäuser als Kühlorte kostenfrei für alle öffnen“, teilte Werner Graf, Spitzenkandidat für die Berlin-Wahl im Herbst, am Freitag mit.
Klimatisierte Kunstorte als pragmatische Lösung
Die Kultureinrichtungen verfügten aus konservatorischen Gründen über eine aufwendige Klimatisierung und könnten so auch zahlreichen Menschen eine dringend notwendige Abkühlung bieten, begründete Graf den Vorstoß. „In extremen Lagen helfen nur schnelle Lösungen. Daher wäre die kostenfreie Öffnung aller klimatisierten Kunstorte eine pragmatische und unbürokratische Maßnahme, die Menschen schützt“, sagte Graf. Insbesondere nannte er obdachlose Menschen sowie Schwangere, Senioren oder Vorerkrankte, die in zu heißen Wohnungen leben.
Kritik an unzureichendem Hitzeschutz
Zudem kritisierte Graf: „Berlin ist völlig unvorbereitet und bietet nicht annähernd ausreichenden Hitzeschutz wie Kühlräume, Trinkbrunnen oder genügend Stadtgrün. Wir müssen Berlin endlich hitzeresilient umbauen und dafür auch Geld in die Hand nehmen.“
Kritik an dem Senat gibt es auch von den Linken. Der im Winter beschlossene Hitzeschutzaktionsplan sei bislang „weitgehend nicht umgesetzt“ worden, sagte der Fraktionsvorsitzende Tobias Schulze. „Es gibt kaum Möglichkeiten für die Berlinerinnen und Berliner kühle Orte zu finden, die digitale Karte dazu weist viel zu wenige aus. Der Senat hat es nicht vermocht, gezielt Kirchen und Einkaufszentren anzusprechen oder Bibliotheken und Stadtteilzentren entsprechend auszurüsten, um Menschen aufzunehmen, wenn ihre Wohnungen zu heiß sind.“ Zudem gebe es immer zu wenig Trinkbrunnen in Berlin, das entsprechende Ausbauprogramm sei vom Senat gestrichen worden.
Fehlende Notfallnummer und unzureichende Maßnahmen
Auch eine zentrale Notfalltelefonnummer existiere nicht und die Erweiterung der Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes um den Hitzeschutz sei nicht umgesetzt worden. Ebenso fehlten Maßnahmen in Krankenhäusern oder ein besserer Schutz in Notunterkünften für Geflüchtete sowie für Obdachlose. „Die Gefahr, dass besonders ältere und kranke Menschen allein in ihren Wohnungen massiv leiden oder gar sterben, ist leider real“, sagte Schulze.
„Der Bedarf an Schutzplänen ist seit Jahren bekannt. Doch noch immer regiert überwiegend das Prinzip Hoffnung, dass die Berlinerinnen und Berliner aufeinander achten und sich selbst helfen. Das muss sich ändern“, sagte Schulze.



