Hitzewelle in Berlin: Bundestag schließt Kuppel, 41 Grad am Wochenende erwartet
Hitzewelle in Berlin: Bundestag schließt Kuppel, 41 Grad

Die Hauptstadtregion erlebt eine extreme Hitzewelle. Der Bundestag hat für Samstag und Sonntag die Kuppel und Dachterrasse des Reichstagsgebäudes für Besucher gesperrt. Grund sind die erwarteten Temperaturen von bis zu 41 Grad. Bereits bestätigte Besuche müssen storniert werden, teilte die Bundestagsverwaltung mit. Zahlreiche Veranstaltungen fallen aus, darunter das Berliner Bücherfest auf dem Bebelplatz. Die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow untersagen ab Samstag das Grillen in den Parks.

Temperaturen und Wetterlage

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht von einer starken bis extremen Wetterbelastung für Berlin und Brandenburg. Am Freitag werden 33 bis 36 Grad erwartet, am Samstag steigen die Temperaturen auf 40 bis 41 Grad. Punktuell kann es Hitzegewitter mit Hagel, Starkregen und Sturmböen geben. „Die bleiben meist an Ort und Stelle“, sagte DWD-Meteorologe Stefan Rubach. Am Sonntag wird es ähnlich heiß, im Westen Brandenburgs bis zu 38 Grad, in Berlin und der Lausitz bis zu 40 oder 41 Grad. „Wir kommen auf jeden Fall in die Nähe von Rekorden“, so Rubach. Der bisherige Berliner Hitzerekord liegt bei 38,6 Grad, gemessen am 30. Juni 2019 in Tegel.

Die Nächte bieten kaum Abkühlung. In der Nacht zu Samstag werden 17 bis 22 Grad erwartet, vielerorts eine tropische Nacht. Die Nacht auf Sonntag werde mit 20 bis 24 Grad „deutlich unangenehmer“, sagte Rubach. Gegen Mitternacht seien es verbreitet noch 24 bis 29 Grad warm. Der DWD empfiehlt, direkte Sonne zu meiden und die heißen Nachmittagsstunden in geschlossenen Räumen zu verbringen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Auswirkungen auf Veranstaltungen und Infrastruktur

Der Berliner Fußballverband sagt die meisten Spiele am Wochenende ab. Partien, die für Entscheidungen notwendig sind, werden in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt. Die Hellersdorfer Mini-WM für Kinder fällt aus. Auch der CSD in Bernau bei Berlin wurde abgesagt, ebenso der Fahrrad-Pride in Potsdam. Das Berliner Bücherfest auf dem Bebelplatz findet nicht statt. „Angesichts der angekündigten Extremwetterlage müssen wir das Berliner Bücherfest nach Beratungen mit allen Beteiligten schweren Herzens absagen“, teilte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) mit. Die jüdische Gemeinde Chabad Berlin verschiebt ihr Fest auf den 30. August.

Wegen hitzebedingter Fahrbahnschäden ist die A2 zwischen Ziesar und Wollin in Fahrtrichtung Potsdam gesperrt. Auf der A10 ist die linke Fahrspur zwischen Berlin-Marzahn und Hellersdorf in Richtung Frankfurt (Oder) gesperrt. Die Autobahn GmbH erklärt, dass sich auf älteren Betonfahrbahnen bei großer Hitze sogenannte Blow-ups bilden können, bei denen sich die Fahrbahn aufwölbt und aufbricht.

Hitzehilfe und Schutzmaßnahmen

Viele Kirchen in Berlin öffnen als „Kühle Kirchen“ zum Schutz vor der Hitze. Bischof Christian Stäblein lud ein, „länger in der Kirche zu sitzen, den Kopf zu kühlen und den Geist zu stärken“. Die Caritas bietet an drei Tagen pro Woche Hitzehilfe für obdachlose Menschen an, mit kühlen Getränken, Sonnencreme und Kopfbedeckungen. Sonntags steht ein Schutzraum in der Residenzstraße in Wedding zur Verfügung. Für die Unterstützung werden Ehrenamtliche gesucht.

Berlins Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Ina Czyborra, appelliert an die Bevölkerung: „Schützen Sie sich und andere vor Hitze und UV-Strahlung. Trinken Sie ausreichend, vermeiden Sie körperliche Belastungen und suchen Sie kühle Räume auf.“ Sie bittet um gegenseitige Unterstützung in der Nachbarschaft.

Die Deutsche Post und DHL haben ihre Schutzmaßnahmen für die rund 8.000 Zusteller in Berlin verstärkt. Jede Zustellkraft kann eine „Cool-Box“ bestellen, die ein wiederverwendbares Kühltuch, einen Pulskühler und Nackenschutz enthält. Zudem werden die Mitarbeiter angehalten, ausreichend zu trinken und Sonnenschutz zu verwenden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Verhaltenstipps und städtische Angebote

Die Berliner Bäderbetriebe veröffentlichen eine Live-Karte zur Auslastung der Sommerbäder. Das Columbiabad in Neukölln hat nach technischen Problemen wieder geöffnet. Im Mauerpark gibt es eine Nebeldusche, die kaltes Wasser versprüht. Die „Eisfabrik“ aus Tempelhof produziert rund um die Uhr Eiswürfel für Hotels und Bars. Die Berliner Polizei hat den öffentlichen Teil des Verkehrssicherheitstages abgesagt. Die Gewerkschaft der Polizei fordert besseren Hitzeschutz für Einsatzkräfte, da es an Klimaanlagen und Ventilatoren in den Dienststellen fehle.

Der Berliner Pralinenhersteller Sawade kühlt seine Filialen herunter und produziert weiter. Die Wasserversorgung der Hauptstadt bleibt stabil. Die Blutreserven des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost sind aufgrund der Hitze knapp; es wird zum Blutspenden aufgerufen. Der Verein Silbernetz bietet einen Wetter-Service für ältere Menschen an, der automatisch vor Extremwetter warnt und Hilfe organisiert.