Kanada als WM-Gastgeber: Grün, günstig und nahbar im Gegensatz zu den USA
Kanada als WM-Gastgeber: Grün, günstig und nahbar

Kanada und die USA könnten als Co-Gastgeber der Fußball-WM unterschiedlicher kaum sein. Während die USA auf riesige, oft abgelegene Football-Arenen setzen, die teils meilenweit von den offiziellen Austragungsorten entfernt sind, bauen die kanadischen Städte Vancouver und Toronto auf Stadien in zentraler Lage, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind. Die Preise für Busse und Bahnen blieben stabil, im Gegensatz zu New York, wo eine Zugfahrt zum Finalstadion nach East Rutherford umgerechnet rund 85 Euro kostet – statt sonst zehn Euro.

Kanadas Team muss durch die USA reisen

Die kanadische Nationalmannschaft um Alphonso Davies musste nach dem zweiten Gruppenplatz hinter der Schweiz die „Ochsentour“ quer durch die USA antreten. Statt in Vancouver zu bleiben, bestreitet sie alle weiteren Spiele im Nachbarland. Am Samstag (19.00 Uhr) trifft das Team von Trainer Jesse Marsch im Achtelfinale auf Afrika-Cup-Sieger Marokko – und das ausgerechnet am US-Unabhängigkeitstag in Houston, wo US-Pathos herrscht. Dabei hätten die Kanadier lieber an der heimischen Westküste bei angenehmen 20 Grad gespielt, wo die Unterstützung der euphorischen Fans sicher gewesen wäre.

Trainer Marsch legt sich mit Trump an

Jesse Marsch, der amerikanische Trainer Kanadas, sorgte im Februar 2025 für Aufsehen, als er sich direkt an Präsident Donald Trump wandte. „Hören Sie endlich mit dieser absurden Rhetorik auf, Kanada sei der 51. Bundesstaat“, sagte Marsch. „Als Amerikaner schäme ich mich für die Arroganz und die Missachtung, die wir einem unserer ältesten, stärksten und loyalsten Verbündeten entgegengebracht haben.“ Marsch singt bei der WM inbrünstig die kanadische Hymne und klopft stolz auf das Wappen. Nach dem späten 1:0-Sieg über Südafrika hielt er im Mannschaftskreis eine fast präsidiale Ansprache.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Premierminister Carney als Fan im Stadion

Kanadas Premierminister Mark Carney zeigte sich in Vancouver im schwarzen Kanada-Trikot und feuerte das Team leidenschaftlich an. Nach dem 6:0-Sieg gegen Katar schrieb er: „Was ein Abend.“ US-Präsident Trump war dagegen noch in keinem WM-Stadion zu sehen. Carneys nahbarer Auftritt unterstreicht Kanadas Rolle als Gegenpol zu den USA: Das Land präsentiert sich grün, günstig und gastfreundlich.

Fußballfieber in Kanada

Insgesamt 13 Spiele finden in Kanada statt, einem Land, das normalerweise für Eishockey brennt. Doch die WM hat alles verändert: Die Science World in Vancouver, ein großes Wahrzeichen, wurde in einen riesigen WM-Ball verwandelt. Der Wechsel von Ex-Weltmeister Thomas Müller nach Vancouver vor einem Jahr verstärkte das Interesse am Fußball. Zehntausende Fans säumen die Fanmeilen, wenn die Nationalmannschaft spielt. Am Samstag gegen Marokko kann Kanada erstmals ins Viertelfinale einer WM einziehen. Rudi Völler lobte das „schnuckelige Stadion“ in Toronto, wo Deutschland gegen die Elfenbeinküste gewann – es war die letzte schöne Erinnerung des DFB-Teams, das danach gegen Ecuador und Paraguay ausschied.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration