Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) kann sich ein verpflichtendes Kita-Jahr vor der Einschulung grundsätzlich vorstellen, allerdings nicht in naher Zukunft. „Ich bin offen für die Debatte, wie wir alle Kinder in eine sinnvolle Schulvorbereitung und dafür in die Kitas kriegen können“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig betonte sie, dass der anhaltende Fachkräftemangel im Erzieherbereich einer schnellen Umsetzung entgegenstehe.
Fachkräftemangel als Haupthindernis
„Wir haben aber auch einen Fachkräftemangel im Bereich der Erzieherinnen und Erzieher. Ich bin immer eine Freundin davon, Dinge dann zu versprechen und anzukündigen, wenn man sie auch umsetzen kann“, erklärte Hamburg. Solange es an ausreichend Personal für das „Kerngeschäft“ fehle, sei es nicht sinnvoll, über zusätzliche Ideen nachzudenken. Dennoch sei es „relativ naheliegend“, dass ein Vorziehen der Schulpflicht sinnvoll sein könne, um in der ersten Klasse gut gemeinsam durchzustarten.
Ministerpräsident Lies bereits im Januar offen
Bereits Anfang des Jahres hatte sich Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) offen für eine Diskussion über ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr gezeigt. „Ich bin zutiefst überzeugt, wenn die Kinder in die Kita gehen, ist es ein Mehrwert für die Kinder“, sagte der SPD-Politiker. Er wolle nicht, dass Kinder mit Sprachdefiziten außerhalb der Kita qualifiziert würden, sondern sie „auch gesellschaftlich mitnehmen“ – also in der Kita.
Zunächst Umsetzung der dritten Betreuungskraft
Hamburg verwies darauf, dass zunächst die Einführung einer dritten Betreuungskraft in Kita-Gruppen umgesetzt werde. „Damit steigern wir die Möglichkeiten für die Sprachförderung“, sagte sie. Zudem gebe es bereits verpflichtende Sprachstandtests und eine verpflichtende Sprachförderung ein Jahr vor dem Schulbesuch. „Wenn Bund und Land dann mit den Kommunen zu dem Schluss kommen sollten, dass der nächste Schritt ein verpflichtendes Kitajahr ist, gerne bundesweit, dann ist es sinnvoll, das zusammen anzugehen. Ich will keine länderweite Kakophonie haben“, betonte die Ministerin.



