Neukölln steht vor einer grundlegenden Neuordnung seiner Grundschullandschaft. Ein interner Bericht der bezirklichen „Taskforce Schule“ zeigt, dass die Neuköllner Grundschulen zwar die kleinsten Klassen in ganz Berlin haben, aber auch die höchsten Kosten pro Schüler verursachen. Auf 20 Seiten analysiert das Dokument die Situation und schlägt mögliche Konsequenzen vor: Zusammenlegungen oder sogar Schließungen mehrerer Standorte.
Kleine Klassen als Kostenfaktor
Laut dem Sachstandsbericht, der dem Tagesspiegel vorliegt und zuerst von der „Morgenpost“ zitiert wurde, liegt die durchschnittliche Klassengröße in Neukölln deutlich unter dem Berliner Schnitt. Während dies pädagogisch vorteilhaft ist – kleinere Klassen ermöglichen individuellere Betreuung –, belastet es den Bezirkshaushalt erheblich. Pro Schulkind gibt Neukölln mehr Geld aus als jeder andere Berliner Bezirk. Die Taskforce wurde im Februar vom Bezirksamt gegründet, um Lösungen für diese strukturelle Schieflage zu erarbeiten.
Zu wenig Schüler, zu viel Fläche
Ein Kernproblem ist der demografische Wandel im Bezirk: In einigen Ortsteilen sinken die Schülerzahlen, während die Schulgebäude oft überdimensioniert sind. „Wir haben zu wenig Schüler für die vorhandenen Schulflächen“, zitiert der Bericht eine interne Einschätzung. Dies führe zu einer ineffizienten Nutzung von Ressourcen wie Heizung, Reinigung und Verwaltung. Die Taskforce schlägt daher vor, mehrere Grundschulen zusammenzulegen oder im Extremfall ganz zu schließen. Betroffen wären vor allem Standorte mit besonders niedrigen Anmeldezahlen.
Politischer Druck und Elternproteste
Die möglichen Maßnahmen stoßen bereits auf Widerstand. Elternvertreter befürchten längere Schulwege und eine Verschlechterung der Betreuungsqualität. „Kleine Klassen sind ein Standortvorteil für Neukölln, den wir nicht leichtfertig aufgeben sollten“, sagte ein Sprecher der Bezirkselternvertretung. Die Bezirksverordnetenversammlung wird voraussichtlich in den kommenden Wochen über den Bericht beraten. Eine endgültige Entscheidung über Fusionen oder Schließungen ist noch nicht gefallen.
Bericht als Grundlage für weitere Planung
Der Sachstandsbericht dient zunächst als Diskussionsgrundlage. Die Taskforce empfiehlt, die Entwicklung der Schülerzahlen in den nächsten Jahren genau zu beobachten und dann konkrete Vorschläge zu unterbreiten. Sollte es zu Schulschließungen kommen, müssten diese sozialverträglich gestaltet werden, etwa durch ausreichende Übergangsfristen und alternative Betreuungsangebote. Der Bezirk steht vor der Herausforderung, pädagogische Qualität und wirtschaftliche Effizienz in Einklang zu bringen.



