Nordrhein-Westfalen gehört beim Abruf von Finanzhilfen für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien bundesweit zu den Spitzenreitern. Laut einer Analyse der Bertelsmann Stiftung beziehen 80,2 Prozent der 6- bis unter 15-Jährigen in NRW Leistungen für den Schulbedarf – der höchste Wert im Vergleich zu anderen Bundesländern. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 77,8 Prozent.
Mittagsverpflegung und Teilhabe: NRW über Schnitt, aber mit Ausreißer
Bei der Mittagsverpflegung in Kitas und Schulen nehmen in NRW 38,5 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe teil, während es bundesweit 37,1 Prozent sind. Für die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, etwa in Sportvereinen oder Musikschulen, erhalten 21,2 Prozent der Berechtigten in NRW finanzielle Unterstützung; der Bundesdurchschnitt liegt bei 18,3 Prozent.
Bei den 15- bis unter 18-Jährigen zeigt sich ein differenzierteres Bild: Zwar liegen die Quoten für Schulbedarf (NRW: 64,7 Prozent, bundesweit: 60,3 Prozent) und Teilhabe (NRW: 15,0 Prozent, bundesweit: 12,1 Prozent) über dem Schnitt. Doch bei der Mittagsverpflegung fällt NRW mit 16,8 Prozent deutlich unter den bundesweiten Wert von 19,6 Prozent zurück.
Bildungs- und Teilhabepaket: Anspruch seit 15 Jahren, aber viele Gelder bleiben liegen
Kinder und Jugendliche, deren Eltern Grundsicherung beziehen, haben seit 15 Jahren Anspruch auf finanzielle Unterstützung für Sport, Kultur und Schule – geregelt im sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket (BuT), das die damalige Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP 2011 einführte. Das Paket umfasst unter anderem Zuschüsse für Schulausflüge, Schülerbeförderung, gemeinsames Mittagessen, Lernförderung, Vereinsbeiträge, Musikunterricht und Ferienfreizeiten. Doch laut der Bertelsmann-Analyse kommt ein Großteil der bereitgestellten Gelder nicht bei den berechtigten Familien an. Bundesweit gibt es zudem erhebliche Unterschiede je nach Wohnort der Kinder und Jugendlichen.
Regionale Unterschiede in Deutschland
Die Analyse zeigt, dass die Inanspruchnahme der Hilfen stark variiert. Während NRW in vielen Bereichen über dem Bundesschnitt liegt, haben andere Länder wie Bayern, Hessen oder das Saarland mit niedrigeren Abrufquoten zu kämpfen. In Bayern erhalten besonders selten Kinder die Teilhabegelder, ähnlich sieht es in Hessen und Thüringen aus. Die Bertelsmann Stiftung betont, dass bürokratische Hürden und mangelnde Information der Eltern oft die Ursache für die geringe Nutzung sind.



