Die SPD in Nordrhein-Westfalen fordert angesichts der extremen Hitzewelle Ende Juni die Einrichtung eines sogenannten Hitze-Kabinetts auf Landesebene. Jochen Ott, Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl im April 2026, erklärte: „Wir müssen endlich aufhören, Hitze als bloßes Sommerphänomen zu behandeln. Hitzewellen sind Unwetter. Sie sind Naturereignisse mit erheblichen Gefahren für Leib und Leben – nicht weniger als Sturm, Hochwasser oder Eis. Und genau so müssen sie politisch bewertet und behandelt werden.“
Hitze-Kabinett soll ressortübergreifenden Aktionsplan beschließen
Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag verlangt, dass die Landesregierung ein Hitze-Kabinett einrichtet, in dem alle betroffenen Ressorts – Gesundheit, Inneres, Kommunales, Schule, Familie, Soziales, Arbeit, Umwelt, Wirtschaft, Finanzen und Verkehr – gemeinsam einen ressortübergreifenden Sofort-Aktionsplan beschließen. Zudem soll das Kabinett die Kommunen bei der Erstellung und Umsetzung ihrer Hitzeaktionspläne unterstützen. Konkret fordert die SPD flächendeckende Hitze-Warnsysteme, die Förderung von Trinkwasserspendern sowie Hilfen für Kommunen zur Entsiegelung und Begrünung von Flächen.
Krankenhäuser, Kitas und Pflegeeinrichtungen benötigen Kühlsysteme
Ott betonte, dass Krankenhäuser, Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen dringend mit Kühl- und Klimatisierungssystemen ausgestattet werden müssten, um die Menschen vor extremer Hitze zu schützen. Für obdachlose Menschen und Beschäftigte, die im Freien arbeiten, seien spezielle Schutzkonzepte erforderlich. Darüber hinaus müsse Wohnraum energetisch modernisiert werden, wofür die Wohnraumförderung gestärkt werden müsse.
Hitzetote als humanitäre und politische Realität
„Die hohe Zahl der Hitzetoten in Deutschland ist längst keine statistische Randnotiz mehr, sondern eine humanitäre und politische Realität“, sagte Ott. Hinter jeder Zahl stünden Menschen. Wer angesichts dieser Entwicklung weiterhin so handele, als sei extreme Hitze lediglich eine Frage persönlicher Vorsorge, werde der Verantwortung des Staates nicht gerecht. „Die nächste Hitzewelle wird kommen.“
Ministerpräsident Wüst: Klimaschutz ist Menschenschutz
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) äußerte sich in einer Pressekonferenz Ende vergangener Woche betroffen über die Auswirkungen der Hitze, insbesondere auf ältere Menschen. „Klimaschutz ist nichts Abstraktes, das ist auch Menschenschutz“, sagte Wüst. Man arbeite „schon lange und kontinuierlich daran, unser Land an den Klimawandel anzupassen“.
Zahl der Todesfälle in Köln und Leverkusen
Allein in Köln waren am letzten Juni-Wochenende mehr als 100 Menschen gestorben. Im Leverkusener Remigius-Krankenhaus gab es zwischen Freitag und Montag zwölf Todesfälle. Die Staatsanwaltschaft Köln hat deshalb ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Deutschlandweit führte die Hitzewelle Ende Juni nach Berechnungen des Robert Koch-Instituts zu insgesamt rund 5100 Todesfällen. Das Statistische Bundesamt schätzt die Übersterblichkeit in der Woche zwischen dem 22. und dem 28. Juni sogar auf 5655 Fälle.



