Denkmalschützer schlagen Alarm
Dresden – Denkmalschützer und Archäologen in Sachsen schlagen angesichts der von der Staatsregierung geplanten Verwaltungsreform Alarm. Sie warnen vor einem Paradigmenwechsel, der den Schutz historischer Bauten und Bodendenkmale im Freistaat massiv gefährden könnte. Hintergrund sind Kabinettsbeschlüsse, die vorsehen, das Landesamt für Archäologie und das Landesamt für Denkmalpflege in die Landesdirektion Sachsen einzugliedern. Damit würden diese Ämter Teil einer großen Vollzugsbehörde werden.
Offener Brief gegen die Reformpläne
In einem offenen Brief mit dem Titel „Keine Zerschlagung der Archäologie, keine Zerstörung der Denkmalpflege in Sachsen“ kritisieren der Landesverein Sächsischer Heimatschutz, die Archäologische Gesellschaft in Sachsen, die Freunde des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz (smac), die Sächsische Akademie der Künste sowie der Verband der Restauratorinnen und Restauratoren die Pläne scharf. Sie sehen darin eine faktische Abschaffung des unabhängigen Denkmalschutzes. Der Brief wird von zahlreichen Initiativen, Heimat- und Geschichtsvereinen sowie bundesweiten Fachverbänden mitunterzeichnet.
Interessenkonflikt befürchtet
Thomas Westphalen, Vorsitzender des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Die Ämter werden pro forma weiter existieren, aber nicht mehr als selbstständige Fachbehörden – damit wird die hoheitliche Denkmalpflege quasi ad acta gelegt.“ Bislang beraten die Fachämter unabhängig, während im Streitfall die Landesdirektion als obere Denkmalschutzbehörde entscheidet. Westphalen befürchtet, dass mit der Zusammenlegung der Fachbehörden mit der Vollzugsbehörde ein zentraler Interessenkonflikt entsteht: „Es gibt dann kein hoheitliches Korrektiv mehr.“
Fachliche Standards in Gefahr
Die Unterzeichner des offenen Briefes warnen, dass fachliche Standards in Genehmigungsverfahren zugunsten wirtschaftlicher oder politischer Erwägungen zurückgedrängt werden könnten. Dies würde langfristig zu einem Verlust von mehr Kulturdenkmälern führen. Als drastisches Beispiel nannte Westphalen die Sprengung der Leipziger Paulinerkirche im Jahr 1968, die trotz fachlicher Einsprüche in der DDR erfolgte.
Herauslösung des smac geplant
Kritisch sehen die Autoren des Briefes auch die geplante Herauslösung von Teilen des Landesamts für Archäologie sowie die Abtrennung des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz (smac), das künftig an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden angebunden werden soll. Das Museum könne seinen Forschungs- und Vermittlungsauftrag nur als integraler Bestandteil des Landesamts erfüllen, heißt es.
Stellenabbau und Reformziele
Ende April hatte die sächsische Staatsregierung angekündigt, bis 2040 fast 9.000 Stellen bei Landesbediensteten abzubauen und die Verwaltungsstrukturen im Freistaat zu reformieren. Hintergrund ist die Arbeit einer Reformkommission, die 64 Prüfaufträge abgearbeitet hatte, um das Milliarden-Finanzloch im künftigen sächsischen Doppelhaushalt zu stopfen.



