Rund 200 Litfaßsäulen in ganz Berlin zeigen seit Anfang Juli ein auffälliges Motiv: Ein Samurai in voller Rüstung sitzt in einer U-Bahn. Die Plakate sind bis zur Berlinwahl am 26. September 2026 zu sehen und werben mit der Frage „Wer ist echter Berliner?“. Die Kampagne sorgt für Diskussionen in der Hauptstadt.
Hintergrund der ungewöhnlichen Werbeaktion
Die Plakate stammen von einer Initiative, die laut eigenen Angaben die Vielfalt Berlins feiern will. Der Samurai symbolisiere die Verschmelzung von Tradition und Moderne, so die Macher. „Berlin ist eine Stadt der Gegensätze – hier treffen alte und neue Kulturen aufeinander“, erklärte ein Sprecher der Initiative gegenüber der FUNKE Mediengruppe. Die Kampagne sei nicht politisch, sondern wolle zur Reflexion anregen.
Die Plakate sind an stark frequentierten Orten wie U-Bahn-Stationen und belebten Straßenkreuzungen angebracht. Nach Angaben der Initiatoren sind rund 200 der insgesamt etwa 3.000 Litfaßsäulen in Berlin bestückt. Die Kosten für die Aktion belaufen sich auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag, finanziert durch Spenden.
Reaktionen in der Bevölkerung
Die Berliner reagieren gespalten. Während einige die Kampagne als kreativen Beitrag zur Stadtkultur loben, kritisieren andere sie als sinnlos oder irritierend. „Ich verstehe nicht, was ein Samurai mit Berlin zu tun hat“, sagte ein Passant am Alexanderplatz. Ein anderer Bewohner aus Marzahn-Hellersdorf fand die Plakate hingegen „erfrischend anders“.
Die Frage „Wer ist echter Berliner?“ greift ein sensibles Thema auf: die Identität einer Stadt, die weltweit für ihre Offenheit bekannt ist. Laut einer Umfrage des Berliner Instituts für Stadtforschung aus dem Jahr 2025 fühlen sich nur 38 Prozent der Einwohner als „echte Berliner“. Die Kampagne wolle diese Debatte enttabuisieren, so die Initiatoren.
Verbindung zur Berlinwahl
Die Plakate sind bewusst bis zur Wahl am 26. September 2026 geschaltet. Die Initiatoren betonen jedoch, dass sie keine Partei unterstützen. „Es geht uns um die Stadtgesellschaft, nicht um Politik“, sagte der Sprecher. Dennoch sehen Beobachter eine mögliche Einflussnahme auf die Wahlstimmung. Die Kampagne könnte Wähler mobilisieren, die sich mit dem Thema Identität identifizieren.
Berlin wählt am 26. September 2026 ein neues Abgeordnetenhaus. Die Plakate sind Teil einer Reihe von Aktionen, die bis dahin stattfinden. Weitere Motive sind geplant, darunter ein Bäcker in der U-Bahn und ein Techno-DJ im Museum. Die Serie soll die Vielfalt der Berliner Lebenswelten zeigen.



