Schwedt verliert Direktzug nach Berlin: Kritik an Landespolitik
Schwedt verliert Direktzug nach Berlin: Kritik an Landespolitik

Die uckermärkische Industriestadt Schwedt kann sich vorerst wohl keine Hoffnungen auf eine Beibehaltung der direkten Bahnverbindung nach Berlin machen. Das wurde aus der Antwort von Verkehrsminister Robert Crumbach auf eine „Kleine Anfrage“ der BSW-Landtagsabgeordneten Jenny Meyer deutlich.

Neue Taktung ab Dezember 2026

Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 sollen die bislang alle zwei Stunden abwechselnd von Berlin über Angermünde nach Stralsund und von Berlin über Angermünde nach Schwedt verkehrenden Züge des Regionalexpress RE3 stündlich nach Stralsund fahren. Der Streckenast von Angermünde nach Schwedt wird dann stündlich von einem Triebwagen der Linie RB 61 bedient, der in Angermünde Anschluss zum RE3 hat.

Damit reagieren das Land und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) unter anderem auf die regelmäßige Überfüllung der Züge von Berlin zur Ostsee: Ein fünf Wagen umfassender Zug des RE 3 hat insgesamt 505 Sitzplätze und 72 Fahrradstellplätze, die künftig alle zwei Stunden zusätzlich im Abschnitt von Angermünde über Prenzlau und Pasewalk zur Küste zur Verfügung stehen. Mit dem geplanten Einsatz der neuen Stadler-KISS-Fahrzeuge werden es sogar 575 Plätze sein.

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Nutzung und Alternativen

Der Streckenabschnitt von Angermünde nach Schwedt wird nach Angaben des Ministeriums von rund 1.300 Reisenden am Tag genutzt. An einem normalen Werktag verkehren dort zwischen 4.04 Uhr und 23.56 Uhr 20 Zugpaare des RE3 und der RB61. Wie es in der Antwort des Ministeriums auf die „Kleine Anfrage“ der Abgeordneten Meyer nun heißt, wurde im Ministerium und im Verkehrsverbund mittlerweile geprüft, die aus Cottbus kommende Linie RE20 über Berlin Hauptbahnhof und Angermünde hinaus zweistündlich nach Schwedt (Oder) zu verlängern.

Diese würde dann im zweistündlichen Wechsel mit der Linie RE9 auf dem Abschnitt Berlin Hauptbahnhof und Angermünde verkehren. „Dies ist jedoch unter den bestehenden Rahmenbedingungen nicht finanzierbar“, heißt es in der Antwort. Ansonsten werde Schwedt durch die Umsteigeverbindung mit der RB61 aber weiter im Stundentakt an den Schienenverkehr angebunden. Auch seien mit den Betreibern der Züge, also vor allem der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), Mindestwartezeiten vereinbart worden, um die Anschlüsse in Angermünde zu garantieren.

Scharfe Kritik der Opposition

Die Fragestellerin Meyer zeigte sich indes empört. „Die Landesregierung opfert die direkte Schienenanbindung Schwedts und damit des größten Industriestandorts der Uckermark“, sagte Meyer. „Das ist ein Skandal.“ Die RB 61 sei die unzuverlässigste Bahnlinie des Landes und habe eine Zuverlässigkeit von gerade einmal 54,8 Prozent. Es sei naiv, zu glauben, dass ‚intensive Gespräche‘ des Ministers die Züge pünktlich machten.

„Sowohl die Verkehrsanbindung als auch die Versorgung der PCK Schwedt sind alles andere als gesichert“, sagte Meyer. Es stelle sich vielmehr die Frage, ob man hier eine ganze Region stückweise aufgebe. „Die Landesregierung muss darauf drängen, dass eine direkte und verlässliche Anbindung zwischen Schwedt und Berlin sichergestellt ist“, so Meyer. „Wer die existenzielle Sorge einer ganzen Region und ihrer Wirtschaft mit einer herablassenden Ein-Satz-Antwort abfertigt, hat den Kontakt zur Lebensrealität außerhalb Potsdams komplett verloren.“

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