Ukraine-Krieg-Überlebender Yurii (11) muss Klinik wegen Weltkriegsbombe verlassen
Ukraine-Krieg-Überlebender Yurii (11) verlässt Klinik wegen Bombe

Köln (NRW) – Mit einer Mütze auf dem Kopf sitzt Yurii (11) auf einer Bank vor der Kinderklinik. Neben ihm stehen ein Rucksack und eine Tüte mit leeren Pfandflaschen. Geduldig beobachtet der schwer verletzte Junge, wie ein Rettungswagen nach dem anderen mit Blaulicht vorfährt und wieder davonrast. Ausgerechnet heute muss auch er das Krankenhaus verlassen – den Ort, der für ihn seit fast drei Jahren zu einem zweiten Zuhause geworden ist.

Bombenfund erzwingt Evakuierung von 43 Kindern

Wegen eines Bombenfundes in der Nähe der Klinik müssen alle 43 kleinen Patienten kurzfristig evakuiert werden. Für das Kinderkrankenhaus an der Amsterdamer Straße in Köln ist es eine Ausnahmesituation, wie es sie noch nie gab. Auf einem Privatgrundstück nahe des Krankenhauses wurde eine 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.

Yurii überlebte eine Explosion in der Ukraine. Er war ein ganz normaler Junge – bis zu dem Tag, an dem Russland die Ukraine angriff. Der Krieg hat den Elfjährigen schwer gezeichnet. Seine Augenbrauen und Lider sind versengt, mehrere Finger mussten amputiert werden. Große Teile seiner Haut sind verbrannt.

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Explosion zerstörte 80 Prozent seiner Haut

„Eine Ölraffinerie in der Nähe unseres Dorfes Strymba war im September 2023 explodiert“, berichtet Yuriis Vater Mikhailo (38). Ob durch Raketen oder Bombardement der Russen – unklar. Yurii und ein Freund (13) spielten in der Nähe eines Flusses, als das Inferno ausbrach und sie von einer Feuerwalze erfasst wurden. Beide Kinder erlitten schwerste Verbrennungen. Bei Yurii wurden rund 80 Prozent der Hautoberfläche zerstört.

Unmittelbar nach der Katastrophe wurde er mit seiner Familie nach Deutschland ausgeflogen. Seitdem wird er regelmäßig im Kölner Kinderkrankenhaus behandelt. Die Klinik zählt zu den besten Zentren für schwerstbrandverletzte Kinder und ist für Yurii längst wie ein zweites Zuhause.

Yurii wurde bereits 50-mal operiert

„Wir fahren jetzt erst mal nach Hause nach Lindweiler“, sagt Yuriis Vater. „Mein Sohn hielt sich drei Tage in der Klinik auf. Ihm wurde Haut vom Bein entnommen und auf die rechte Hand transplantiert.“ Als Vater und Sohn das Krankenhaus verlassen und zum Auto gehen, lächelt der Elfjährige und sagt: „Ich wurde 50-mal operiert.“ Sein Vater weiß: Viele weitere Eingriffe werden folgen.

Unterdessen verläuft die Räumung der Klinik ohne Zwischenfälle. Unter den 43 Kindern befinden sich laut Stadt Köln 20 intensivmedizinische Patienten, darunter auch Frühchen. Sie werden teilweise gemeinsam mit ihren Eltern in ein Krankenhaus im Stadtteil Holweide verlegt. Im Umkreis des Bombenfundes müssen außerdem rund 4300 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen.

Bombe in Köln erfolgreich entschärft

Am Nachmittag geben die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Entwarnung: Die amerikanische Zehn-Zentner-Bombe mit Front- und Heckaufschlagzünder wird erfolgreich entschärft. Die Anwohner kehren nach und nach in ihre Wohnungen zurück. Die Kölner Kinderklinik bleibt am Freitag geschlossen. Laut Stadt sollen die kleinen Patienten am Samstag zurückkehren, dann soll auch der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden.

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