Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gerät zunehmend unter Druck. Ein Treffen der Kreisvorsitzenden der Partei am heutigen Abend könnte zum Showdown werden. Dabei geht es um die Frage, ob Wegner Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September bleibt und ob er weiterhin Regierender Bürgermeister und Parteichef sein kann. Sollte er seine Kandidatur aufgeben müssen, werden in Medien zwei Senatoren als mögliche Nachfolger genannt: Finanzsenator Stefan Evers und Justizsenatorin Felor Badenberg.
Stefan Evers: Fachlich kompetent und loyal
Stefan Evers, 46 Jahre alt, ist aufgrund seiner Körpergröße kaum zu übersehen. Der Finanzsenator fällt aber auch durch seine Ämterkombination auf: Seit April ist er im Senat nicht nur für Finanzen, sondern auch für Kultur zuständig. Als Sparfuchs wacht er nun über finanzielle Kürzungen bei Theatern und Museen – bisher klappt das recht geräuschlos.
Evers wuchs in Nordrhein-Westfalen auf, studierte Rechtswissenschaften und kam Ende der 1990er Jahre nach Berlin. Hier legte er eine klassische Parteikarriere hin: 2011 erstmals ins Abgeordnetenhaus gewählt, von 2018 bis 2023 parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, von Dezember 2016 bis Herbst 2023 Generalsekretär der Landespartei. Im April 2023 holte Wegner ihn als Finanzsenator in sein Regierungsteam. Im Landesvorstand der CDU ist er einer seiner Stellvertreter.
Evers gilt als fachlich kompetent und loyal, fing sich durch drastische Zuspitzungen in seiner politischen Karriere aber auch immer wieder heftige Kritik ein. Inhaltlich sind mit ihm kaum Abweichungen zur CDU-Linie unter Wegner zu erwarten. Aus der Partei war bisher zu hören, dass er in der aktuellen Lage nicht als Spitzenkandidat übernehmen wolle.
Felor Badenberg: Quereinsteigerin mit Verfassungsschutz-Erfahrung
Felor Badenberg, 51 Jahre alt, gelang im April 2023 der Quereinstieg in die Politik, als Wegner die damals noch parteilose Juristin zur Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz machte. Zuvor war sie 17 Jahre beim Bundesamt für Verfassungsschutz tätig, wo sie verschiedene Abteilungen durchlief.
Badenberg kam als Kind aus dem Iran nach Deutschland und studierte in Köln. Beim Verfassungsschutz baute sie die Abteilung für Cyberabwehr auf, leitete die Abteilung für Rechtsextremismus und -terrorismus und kümmerte sich auch um die Beobachtung der AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall. Als erste Frau war sie von 2022 bis 2023 Vizepräsidentin des Verfassungsschutzes.
In die CDU trat Badenberg erst im Mai 2024 ein, als sie schon gut ein Jahr Senatorin in Berlin war. Bei der Abgeordnetenhauswahl tritt sie auf Platz eins der CDU-Bezirksliste in Charlottenburg-Wilmersdorf an. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit als Justizsenatorin ist der Kampf gegen die organisierte Kriminalität, insbesondere gegen sogenannte Clans mit arabischen Wurzeln. Sie forciert den Einzug von Vermögenswerten ebenso wie ein gemeinsames Vorgehen verschiedener Behörden gegen kriminelle Clanmitglieder.



