VW-Arbeitnehmer stellen Blume Ultimatum und kündigen heißen Herbst an
VW-Arbeitnehmer stellen Blume Ultimatum

Die Arbeitnehmervertreter von Volkswagen gehen mit Vorstandschef Oliver Blume hart ins Gericht und kündigen im Ringen um den Umbau des Autobauers einen heißen Herbst an. In einem Brief des Konzernbetriebsausschusses an die Belegschaft, der dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, der Vorstand habe sich nach der Sitzung des Aufsichtsrats „mit den bekannten Floskeln zu Wort gemeldet“. Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet darüber.

Empathielose Allgemeinplätze und Kernprobleme

Blume greife zu „empathielosen Allgemeinplätzen“, kritisieren die Arbeitnehmervertreter. „Nichts davon adressiert die eigentlichen Kernprobleme des Konzerns. Und nichts davon begegnet Euren Ängsten und Sorgen auch nur ansatzweise auf angemessene Weise“, schreibt das Gremium aus Betriebsräten des Konzerns, aller Marken und Töchter sowie der Vertretung der Führungskräfte.

Deshalb habe man Blume ein Ultimatum gesetzt, sich bis Freitag zu erklären. Er hatte dem Aufsichtsrat am Donnerstag seinen „Zukunftsplan“ vorgestellt, mit dem er den Konzern aus der Krise führen will. Unter anderem soll die Zahl der Modelle um bis zur Hälfte eingedampft, die Zahl der Varianten sogar um 75 Prozent reduziert werden. Das könnte zu Werksschließungen und einem erneuten massiven Stellenabbau führen.

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Inhaltliche Lücken und Widersprüche im Zukunftsplan

„Viel zu viel an dem Zukunftsplan weist noch große inhaltliche Lücken, Inkonsistenzen und Widersprüche auf“, heißt es in dem Brief. Die Arbeitnehmervertreter betonen, dass sie den wirtschaftlichen Druck und die Notwendigkeit von Änderungen durchaus sehen. „Wir als Eure Belegschaftsvertretungen wissen nur zu gut, wie hart der wirtschaftliche Druck derzeit ist, wie eng der Wettbewerb und wie zwingend die Notwendigkeit, Dinge grundlegend zu ändern – und zwar auch mittels Stellschrauben, die schmerzvoll sein werden“, kommentiert der Ausschuss die Pläne.

Doch müsse klar sein, welches langfristige Ziel der Vorstand damit verfolge, „anstelle von aktivistischen Kurzfrist-Lösungen wie Werksschließungen, Sparwut und Arbeitsplatzabbau nach der Rasenmäher-Methode“. Arbeitgeber in der Autobranche nutzten die Krise „allzu oft als Trittbrett (...) für massive Angriffe auf Sozialstandards, Sicherheiten und tarifliche Errungenschaften bis hin zu Phantasien über eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich“.

Drohungen gegen Mitbestimmung und Standorte

Wenn der Vorstand das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und Standorte infrage stelle, seien das unverantwortliche Drohungen, die Arbeitnehmer „mit aller Macht verhindern“ würden. „Die zweite Jahreshälfte wird anstrengend werden“, bereiten die Gremien die Belegschaft auf die Zeit nach der Sommerpause vor, wenn die Pläne konkretisiert werden sollen. „Aber wir wissen auch: Sollte es zu einer längeren Auseinandersetzung mit dem Konzernvorstand kommen, können wir uns auf alle Belegschaften im Konzern verlassen.“

Bereits zuvor hatte es geheißen, dass Blume im Aufsichtsrat keine Mehrheit für seinen Sparplan habe und diesen nun in Etappen durchbringen wolle. Die Arbeitnehmervertreter signalisieren nun geschlossenen Widerstand.

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