Die Fachstelle für Antisemitismus in Brandenburg hat für das Jahr 2025 insgesamt 461 antisemitische Vorfälle dokumentiert. Das geht aus einem aktuellen Monitoringbericht hervor. Obwohl die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 23 Fälle gesunken ist, bleibt das Niveau laut Landesregierung „sehr hoch“. Staatssekretär Johannes Wagner betonte: „Antisemitismus wird öffentlicher und unverhohlener. Das dürfen wir so niemals hinnehmen.“
Verdopplung der Fälle seit 2019
Im Vergleich zum Jahr 2019, als die Fachstelle ihre Arbeit aufnahm, hat sich die Zahl der Vorfälle verdoppelt. Wagner rief zu einer gemeinsamen Anstrengung auf: „Es braucht alle Menschen mit Anstand und Verstand, geschlossen dagegen zu stehen.“ Die Angriffe sind vielfältiger Natur – viele finden im Netz statt, andere reichen bis zu körperlichen Übergriffen.
Konkrete Übergriffe: Tomaten, Drohbriefe, Mordrufe
Der Bericht listet mehrere erschreckende Beispiele auf: Im Januar 2025 wurde eine Jüdin nahe der Oranienburger Synagoge von Jugendlichen mit Tomaten beworfen. In Teltow fand ein Jude in seinem Briefkasten ein Bild von sich mit der Aufschrift „Kill Jews sonn!“. In Cottbus rief ein Mann im September vor der Synagoge „Juden erschießen“.
Den größten Anteil der Vorfälle machten mit 366 Fällen „verletzendes Verhalten“ aus – meist Beleidigungen, so ein Mitarbeiter der Fachstelle. 58 Mal wurden Bedrohungen ausgesprochen, und 43 Fälle gezielter Sachbeschädigung wurden registriert. Etwa jeder zweite Vorfall wird dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet, erklärte Derviş Hızarcı, Vorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus.
Anstieg seit Oktober 2023
Ein Ministeriumssprecher wies darauf hin, dass insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 – dem Tag des Hamas-Angriffs auf Israel – ein Zuwachs an antisemitischen Taten zu beobachten sei. Die Fachstelle Antisemitismus in Brandenburg gibt es seit 2019. Ihr Ziel ist es, jüdisches Leben sichtbarer und selbstverständlicher zu machen und gleichzeitig gegen Antisemitismus vorzugehen.



