Sechs Berliner Freunde haben ein alternatives Deutschlandtrikot auf den Markt gebracht, das sich bewusst gegen Faschismus und für demokratische Werte positioniert. Das Trikot kostet 35,99 Euro und ist damit deutlich günstiger als das offizielle DFB-Trikot für 100 Euro. Bisher wurden rund 2.500 Exemplare verkauft, doch nach dem überraschenden Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM ist die Nachfrage spürbar zurückgegangen.
Die Idee entstand aus Frustration über den Rechtsruck
Nalin Sehgal von Hantelmann, 18, Fußballfachmann der Gruppe und auf dem Weg in den Profifußball, berichtet: „Max hat mich im Februar 2026 angerufen und gesagt: ‚Nalin, ich ertrage den Gedanken nicht, dass wir da diesen Sommer im Deutschlandtrikot beim Public Viewing sitzen und so tun, als wäre alles normal.‘“ Die Freunde, die ihr Abitur am John-Lennon-Gymnasium in Berlin-Mitte gemacht haben, wollten ein Zeichen setzen gegen den weltweiten Rechtsruck und die Politik der USA unter Donald Trump, die sie als Bedrohung der Demokratie sehen.
Samuel Kerhart, 19, der ab Herbst an einer Filmschule studieren möchte, ergänzt: „Wenn man sich die Geschichte der deutschen Flagge anschaut, dann weiß man, dass sie ursprünglich für Demokratie, Gleichheit und Freiheit stand. Darum wurde sie damals im Zuge der Demokratiebewegung im 19. Jahrhundert auch beim Hambacher Fest geschwungen. Und sie war ja auch während der Nazizeit verboten.“
„Wir wollen uns die Farben Schwarz-Rot-Gold zurückholen“
Sehgal von Hantelmann betont: „Wir wollen uns die Farben Schwarz-Rot-Gold zurückholen.“ Das Trikot zeigt einen leicht abgeänderten Adler auf der Brust und die Nationalfarben. Auf dem Rücken steht in Großbuchstaben „Germany against Fascism“ sowie die Nummer 12, die für den zwölften Mann oder die zwölfte Frau steht – die Fans, die sich gegen Faschismus positionieren und Fußball als Fest der Gemeinschaft feiern.
Max Denker, 18, der Sozialwissenschaften oder Jura studieren möchte, erklärt: „Die Kernidee unseres Projekts ist: Du kannst ein Deutschlandtrikot tragen, zum Public Viewing gehen, und dich zum Antifaschismus bekennen. Mit einem DFB-Trikot wäre das nicht möglich, weil der DFB keinerlei Haltung zeigt.“
Reaktionen: Lob von Konservativen, Kritik von Links
Die Resonanz auf das Trikot ist gemischt. Während es von vielen Kunden aus Regionen mit starker AfD-Präsenz wie Chemnitz oder Dresden bestellt wurde, gab es auch Hasskommentare auf Instagram. Sehgal von Hantelmann berichtet: „Wir wurden schon als Antifaschweine beleidigt. Uns wurde vorgeworfen, dass wir die Nationalfarben missbrauchen würden. Aber wir wurden auch schon Nazis genannt. Irgendein Account meinte, unser schwarzes Trikot sähe aus wie die SS-Uniform.“
Denker hingegen freut sich über positive Rückmeldungen: „Mich hat es sehr gefreut, dass sich ein stockkonservativer Freund meines Vaters das Trikot bestellt hat. Der ist CSUler, kommt aus Bayern, wir sind in den allermeisten politischen Dingen unterschiedlicher Meinung. Aber er sagt: Germany against Fascism, da bin ich dabei. Nie wieder ist jetzt. Das ist schon toll und zeigt: Antifaschismus ist demokratischer Konsens.“
Antifaschismus als demokratischer Konsens
Die Gruppe versteht sich selbst als links, betont aber, dass Antifaschismus keine linke Meinung, sondern eine demokratische Grundhaltung sei. „Antifaschismus ist nicht links, es ist nicht mal eine Meinung. Nur wird das von rechts bewusst mit Linksextremismus verknüpft“, so Denker. Das Trikot solle bewusst nicht zu radikal gestaltet sein, damit es von möglichst vielen Menschen getragen werden könne.
Projekt als Antwort auf Ohnmacht
Die Freunde sind sonst nicht politisch aktiv. „Wir alle haben jeden Tag die Nachrichten gelesen und uns über Politik ausgetauscht. Mit der Zeit verspürten wir eine gewisse Verzweiflung, dass wir als Individuen keinen Einfluss auf viele dieser welt- und innenpolitischen Entscheidungen haben“, sagt Denker. Das Projekt „Germany against Fascism“ helfe ihnen, gegen das Gefühl der Ohnmacht anzukämpfen und zu zeigen, was man bewirken könne, wenn man sich zusammentue und engagiere.



