Mehr gemeldete Fälle von Antiziganismus in Rheinland-Pfalz
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) in Rheinland-Pfalz hat für das vergangene Jahr einen deutlichen Anstieg der registrierten Vorfälle von Diskriminierung, Herabwürdigung, Beleidigung und Gewalt gegen Sinti und Roma verzeichnet. Wie der MIA-Vorstand Christian Kling in Mainz mitteilte, stieg die Zahl um 41 auf insgesamt 100 Vorfälle im Jahr 2024. Allerdings sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da viele Betroffene aus Angst vor negativen Konsequenzen und Misstrauen gegenüber öffentlichen Stellen auf eine Meldung verzichteten. Auch strafrechtlich relevante Vorkommnisse würden oft nicht angezeigt.
Zunehmend feindselige Stimmung in der Gesellschaft
Kling sprach von einer zunehmend feindseligen Stimmung in der Gesellschaft, in der Spaltung allgegenwärtig sei. Es sei zu erwarten, dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle auch im laufenden Jahr weiter steigen werde. Der rheinland-pfälzische Antiziganismusbeauftragte Michael Hartmann betonte das Ziel, Minderheiten mehr Sichtbarkeit zu geben. Dazu gehöre auch, dass in den Lehrplänen der Schulen das Thema Antiziganismus sowohl mit der Verfolgung als auch mit der Kultur der Sinti und Roma präsenter werde. Lehrkräfte sollten bereits in der Ausbildung sowie über Fort- und Weiterbildungen sensibilisiert werden. „Es gibt zu viel Unwissen über die Minderheiten“, so Hartmann.
MIA-Meldestelle seit 2022 in Rheinland-Pfalz aktiv
Die Meldestelle gibt es seit 2022 in Rheinland-Pfalz. Sie arbeitet unabhängig, Meldungen können telefonisch, online oder im persönlichen Gespräch erfolgen. MIA anonymisiert die Meldungen. Die Finanzierung erfolgt hälftig über das Land und den Bund, erklärte Hartmann. Sechs regionale MIA-Stellen seien mittlerweile neben Rheinland-Pfalz in Bayern, Berlin, Hessen, Schleswig-Holstein und Sachsen aufgebaut worden.
Bundesweit 1.678 Vorfälle im Jahr 2024
Bundesweit wurden im Jahr 2024 insgesamt 1.678 Vorfälle gemeldet. Die genauen Angaben für das vergangene Jahr sollen in Kürze veröffentlicht werden, sagte der Geschäftsführer der MIA-Bundesgeschäftsstelle Guillermo Ruiz. Es liefen auch Gespräche, dass in weiteren Bundesländern Melde- und Informationsstellen Antiziganismus aufgebaut werden. Wichtig sei dabei, dass in den Meldestellen auch Angehörige der Minderheiten die Ansprechpersonen seien, um das nötige Vertrauen zu schaffen.



