Arme reicher machen statt Reiche ärmer: Experte widerspricht Piketty
Arme reicher machen: Experte widerspricht Piketty

In der Debatte um die Besteuerung von Milliardären plädiert der schwedische Ökonom Daniel Waldenström für einen Paradigmenwechsel: Statt die Reichen ärmer zu machen, solle man die Armen nach oben helfen. Der Professor am Institut für Industrieökonomie Stockholm und weltweit führende Empiriker zur historischen Vermögensverteilung widerspricht damit der einflussreichen Theorie von Thomas Piketty.

Die Piketty-Schule und ihre Forderungen

Die französische Ökonomin Thomas Piketty hatte 2014 mit seiner Formel „r > g“ (Rendite auf Kapital größer als Wirtschaftswachstum) die theoretische Grundlage für eine stärkere Besteuerung von Vermögen geliefert. Sein Schüler Gabriel Zucman, derzeit prominentester Steuerökonom der Welt, schlug daraufhin eine globale Mindeststeuer von zwei Prozent vor. Das von Piketty mitgeleitete World Inequality Lab veröffentlichte im Juni 2026 den Global Justice Report 2026, der eine globale Vermögenssteuer von bis zu 20 Prozent pro Jahr, eine Spitzeneinkommensteuer von 90 Prozent und einen Welt-Justice-Fonds in Höhe von 10,3 Prozent des globalen BIP fordert.

In Deutschland fordert die Partei Die Linke seit Februar 2025 die Halbierung der Milliardärsvermögen binnen zehn Jahren.

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Waldenströms Gegenbefund

Daniel Waldenström, der jahrelang an Pikettys Seite forschte, kommt zu einem gegenteiligen Ergebnis. In seinem Buch „Richer and More Equal: A New History of Wealth in the West“ zeigt er: Die Vermögensangleichung des 20. Jahrhunderts wurde nicht durch Kriege oder Steuern erreicht, sondern durch den Aufstieg der Mittelschicht. „Lifting the bottom“ statt „taking down the rich“ sei der Schlüssel gewesen, so Waldenström.

„Die historische Entwicklung zeigt, dass breiter Wohlstandszuwachs für die unteren Einkommensgruppen die Ungleichheit nachhaltiger reduziert hat als jede Vermögenssteuer“, erklärte der Ökonom in einem Podcast von Daniel Stelter.

Empirische Belege und aktuelle Studien

Waldenströms Forschung basiert auf umfangreichen historischen Daten. Ein Positionspapier zur Vermögensungleichheit und Erbschaftsbesteuerung vom Mai 2025 sowie eine Studie von James B. Davies, Rodrigo Lluberas und Daniel Waldenström für das ifo Institut (2024) untermauern seine These. Die Langzeitanalyse zeigt, dass Vermögenskonzentration in vielen westlichen Ländern seit dem 19. Jahrhundert abnahm, während die Mittelschicht wuchs.

Der Global Justice Report 2026 hingegen fordert drastische Eingriffe. Daniel Stelter, Autor des Buches „Absturz – So retten wir Deutschland“, kritisierte den Report in der WELT als „Verarmungsprogramm für Milliarden von Menschen“.

Politische Implikationen

Die Debatte hat direkte Auswirkungen auf die Steuerpolitik. Während Piketty und Zucman globale Mindeststeuern fordern, setzt Waldenström auf Wachstum und Bildung. „Statt die Reichen zu enteignen, sollten wir in die Aufstiegschancen der Armen investieren“, so der Forscher. Der Podcast „Beyond the Obvious“ von Daniel Stelter bietet regelmäßig Analysen zur Wirtschafts- und Finanzlage.

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