Berlin bei Michelin-Gala leer ausgegangen – Kein neuer Stern für Hauptstadt
Berlin bei Michelin-Gala ohne neuen Stern

Berlin ist bei der Gala zur Vorstellung des neuen Guide Michelin in Frankfurt am Main am Dienstagabend erstmals seit vielen Jahren nicht einmal mehr erwähnt worden. Das bedeutet: Die Inspektoren haben kein neues Sterne-Restaurant in der Hauptstadt ausmachen können, und es gab auch keine Höherwertung in Richtung zwei oder drei Sterne. Da das im letzten Jahr noch ausgezeichnete „Ernst“ geschlossen wurde, ist die Gesamtbilanz sogar negativ.

Bib Gourmand als Trostpreis

Zumindest einen Trostpreis gab es für Berlin: Schon vor einer Woche wurden zwei neue Restaurants mit dem „Bib Gourmand“ für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ausgezeichnet, „Byblos“ und „Salhino“. Einige Berliner Küchenchefs können sich dennoch als Gewinner der diesjährigen Runde fühlen: Christopher Jäger („Skykitchen“), Johannes Gehrich („Hugos“), Patrick Ziegert („Cookies Cream“) und Nicholas Hahn („Golvet“) haben ihre Stellen in diesem Jahr angetreten und den Stern somit verteidigt. Aber aus der erhofften Rehabilitation des „Lorenz Adlon Esszimmer“ in die Zwei-Sterne-Liga ist nichts geworden, und auch das immer wieder als Kandidat eingestufte „Tulus Lotrek“ hat es erneut nicht geschafft. In Brandenburg ist es ebenfalls bei den drei Restaurants mit einem Stern geblieben.

Deutschlandweit: Drei-Sterne-Bilanz ausgeglichen

In ganz Deutschland hat der Guide nach der Schließung des „Aqua“ in Wolfsburg die Drei-Sterne-Bilanz (12 Restaurants) mit der neuen Auszeichnung des „L. A. Jordan“ in Deidesheim ausgeglichen; das Münchener „Tantris“, hoch gewettet, muss ein Jahr länger bei zwei Sternen verharren. Ferner gibt es vier neue Restaurants mit zwei Sternen: „The Cloud by Käfer“ in München, die „Mühle Schluchsee“ im Schwarzwald sowie zwei neu eröffnete Betriebe, die es sofort auf zwei Sterne schafften, nämlich „Rausch“ und „The Dune“, beide in Frankfurt am Main. Dort hat auch Altmeister Mario Lohninger mit seinem gleichnamigen Restaurant endlich einen Stern erhalten. In ganz Ostdeutschland wurden nur zwei Restaurants neu mit einem Stern ausgezeichnet, nämlich das „1751“ in Schwerin und die „Ostseelounge“ in Dierhagen, beide in Mecklenburg-Vorpommern.

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Frankfurt als großer Gewinner

Frankfurt ist überhaupt so etwas wie der Gewinner der diesjährigen Michelin-Gala, denn die Stadt hat dem Restaurantführer mit zahlreichen Nebenveranstaltungen über mehrere Tage und einem persönlichen Grußwort der Stadträtin Stephanie Wüst eine großzügige Bühne bereitet. Als Berlin einige Jahre lang Schauplatz war, gab es so etwas nicht.

Fehlender Ehrgeiz für Sterne in Berlin

Was ist mit der Berliner Gastronomie los? Zwar liegt die Stadt in der Anzahl der Sterne noch immer auf Platz 1 in Deutschland. Aber die Erkenntnisse des Guide Michelin, die als subjektive Werturteile immer strittig sind, spiegeln zumindest die Tatsache, dass Berlin das Momentum verloren hat. Ganz anders als in Frankfurt oder München gab es zuletzt praktisch keine Neugründungen mit Sterne-Ehrgeiz mehr, auch Hotels meiden das Thema weitgehend. Das hat sich auch bei den „Foodies“ unter den Touristen herumgesprochen, die bedeutende kulinarische Neuerungen längst anderswo auf der Welt finden.

Politische Unterstützung fehlt

Rückenwind aus der Landesregierung gibt es kaum, auch wenn die Wirtschaftssenatorin bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Bedeutung einer florierenden Gastronomie für die Stadt betont. Stadtpolitiker lassen sich allenfalls ohne viel Aufsehen im „Borchardt“ oder „Grill Royal“ blicken, andere, bessere Restaurants meiden sie – es könnte Wählerstimmen kosten. Und nach draußen stellt man die Stadt lieber als Street-Food- und Club-Metropole dar, macht viel Gewese um Currywurst und Döner.

Gala der Berliner Meisterköche ohne Sterne-Küche

Auch die Gala der „Berliner Meisterköche“, die einzige halboffizielle Veranstaltung zum Ruhm der Gastronomie, ist längst auf diesen Weg eingeschwenkt: Auf den Nominierungslisten, auch der aktuellen, findet Sterne-Küche so gut wie nicht mehr statt. Und das sogar international beachtete, privat organisierte Gourmet-Festival „eat Berlin“ muss alljährlich um seine Finanzierung kämpfen.

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