Die Zahl der Drogentoten in Berlin hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Wie die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege mitteilte, starben im vergangenen Jahr 300 Menschen im Zusammenhang mit Drogenkonsum – ein trauriger Rekord seit Beginn der Aufzeichnungen Anfang der 2000er Jahre. Der Berliner Tagesspiegel hat die Polizeistatistiken zu den Drogentoten seit 2018 ausgewertet und zeichnet ein detailliertes Bild der Opfer.
Bezirke mit den meisten Drogentoten
Die Auswertung zeigt deutliche regionale Unterschiede innerhalb Berlins. Der Bezirk Mitte verzeichnet mit 45 Toten die höchste absolute Zahl, gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg (38) und Neukölln (35). In diesen Bezirken konzentrieren sich offene Drogenszenen, etwa rund um den Kottbusser Tor oder den Görlitzer Park. Prozentual zur Einwohnerzahl liegt Friedrichshain-Kreuzberg mit 12,6 Toten pro 100.000 Einwohnern an der Spitze, dicht gefolgt von Mitte mit 12,3.
Alter und Geschlecht der Verstorbenen
Das Durchschnittsalter der Drogentoten lag 2025 bei 39,5 Jahren – ein leichter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Besonders auffällig ist der Anstieg in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen, die mit 95 Toten die größte Gruppe stellt. Männer sind mit 82 Prozent der Toten weiterhin überproportional betroffen, der Anteil der Frauen stieg jedoch von 15 auf 18 Prozent. Laut Polizei handelt es sich bei den Verstorbenen überwiegend um Menschen mit langjähriger Abhängigkeitsgeschichte.
Substanzen: Heroin und Crack dominieren
Die Haupttodesursache bleibt eine Überdosis Heroin, oft in Kombination mit anderen Substanzen. 2025 war Heroin bei 68 Prozent der Todesfälle nachweisbar, gefolgt von Crack/Kokain (34 Prozent) und synthetischen Opioiden wie Fentanyl (12 Prozent). Besorgniserregend ist der Anstieg der Todesfälle durch Beikonsum von Benzodiazepinen und Alkohol. „Die Mischkonsumproblematik verschärft die Gefahr einer Überdosis erheblich“, warnt ein Sprecher der Berliner Polizei gegenüber dem Tagesspiegel.
Vergleich mit anderen deutschen Städten
Berlin liegt mit 7,8 Drogentoten pro 100.000 Einwohner deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 3,2. Im Vergleich zu anderen Großstädten wie Hamburg (5,1) oder München (2,3) schneidet Berlin schlechter ab, bleibt aber hinter Städten wie Frankfurt am Main (9,4) zurück. Die Unterschiede werden auf die Größe der offenen Drogenszene und die Verfügbarkeit von Hilfsangeboten zurückgeführt.
Gegenmaßnahmen und Ausblick
Die Senatsverwaltung hat als Reaktion auf die steigenden Zahlen ein Maßnahmenpaket angekündigt, das den Ausbau von Drogenkonsumräumen, niedrigschwellige Beratungsangebote und verstärkte Präventionsarbeit in den betroffenen Bezirken vorsieht. „Wir müssen die Angebote dort ausbauen, wo die Probleme am größten sind“, betonte Gesundheitssenatorin Dr. Ina Czyborra (SPD) in einer ersten Stellungnahme. Kritiker fordern jedoch mehr Therapieplätze und eine Entkriminalisierung von Konsumenten, um die Situation nachhaltig zu verbessern. Die endgültigen Jahreszahlen werden im Frühjahr 2026 erwartet.



