Am Mittwochmorgen ist die Hüpfburgenstadt am Hegauer Weg in Zehlendorf schon früh ein Ort der Freude. 41 Kinder des SchutzengelWerks und der Ludwig-Bechstein-Grundschule stürmen durch das Tor, direkt hinein in ein Meer aus buntem Kunststoff. Riesige Drachen mit aufgerissenem Maul, Burgen mit Zugbrücke und ein großer blauer Delfin laden zum Springen, Klettern und Toben ein. Besonders gefragt ist die große Wasserrutsche, auf der die Kinder mit Schwung landen und sich das kühle Nass um die Ohren spritzt.
Der Ausflug ist Teil eines Ferienprogramms, das die gemeinnützige SchutzengelWerk gGmbH gemeinsam mit dem Verein Berliner helfen e. V., der Hilfsorganisation der Berliner Morgenpost, anbietet. An drei Tagen pro Woche stehen Aktivitäten auf dem Plan, die für viele Kinder alles andere als selbstverständlich sind. Die Betreiberin der Hüpfburgenstadt, Marlen Spindler, hat für die Gruppe eigens um 12 Uhr geöffnet. „Wir haben für die Gruppe schon um 12 Uhr geöffnet und freuen uns, Teil des Ferienprogramms zu sein“, sagt sie. Die Gruppe erhält einen Preisnachlass, und in der Mittagspause warten Getränke, Pommes und Chicken-Nuggets.
Als die Kinder sich in den schattigen Imbissbereich setzen, zögert ein Junge. „Ich habe aber kein Geld“, sagt er skeptisch. Michel Röver, Leiter des Schutzengelhauses in Steglitz, winkt ab: „Brauchst du nicht, komm her und greif zu.“ Er ruft die Kinder zum Essen, und schon sind die Teller leer.
Kinderarmut in Berlin: Ein trauriger Spitzenwert
Hinter dem unbeschwerten Vormittag steckt ein ernster Hintergrund. Nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit wächst fast jedes vierte Kind in Berlin in einer Familie auf, die auf Bürgergeld angewiesen ist. Damit liegt die Hauptstadt im bundesweiten Vergleich an der Spitze – in trauriger Hinsicht. Für viele dieser Kinder bedeuten die Sommerferien keine Erholung, sondern eine Zeit des Mangels.
Bianca Sommerfeld, Geschäftsführerin der Berliner SchutzengelWerk gGmbH, kennt die Lebensrealität dieser Familien. „Kinderarmut macht keine Ferien. Sie wird in den Sommerferien nur besonders sichtbar“, sagt sie. „Für diese Kinder bedeutet das: Kein Urlaub. Kein Freizeitpark. Kein Schwimmbad. Oft nicht einmal ein Eis zwischendurch. Und das kostenlose Schulessen fällt in den sechs Wochen auch weg.“
Das SchutzengelWerk unterhält zwei spendenfinanzierte Einrichtungen in Steglitz und Hohenschönhausen. Dort erhalten Kinder nach der Schule ein gesundes Mittagessen, Hilfe bei den Hausaufgaben und eine sinnvolle Freizeitbetreuung. Das Angebot ist ganzjährig angelegt, doch gerade in den Ferien zeigt sich, wie wichtig zusätzliche Unterstützung ist. Ohne Spendengelder wäre das umfangreiche Ferienprogramm nicht realisierbar.
Ferienpässe öffnen Türen
Von der Spende des Vereins Berliner helfen kauften die Schutzengelhäuser Ferienpässe für alle Kinder. Diese Pässe ermöglichen vergünstigten oder kostenlosen Zugang zu Freizeiteinrichtungen, Schwimmbädern und kulturellen Angeboten. „Das lohnt sich richtig. Wir waren schon dreimal im Freibad am Insulaner. Mit dem Ferienpass für 9 Euro ist der Eintritt kostenlos“, berichtet Sommerfeld. Solche Erlebnisse seien für die kindliche Entwicklung unverzichtbar.
Die finanziellen Anforderungen sind hoch: Eintritt, Verpflegung und Betreuung für 41 Kinder an drei Tagen pro Woche summieren sich. „Die Kinder haben immer Hunger. Man muss nur zusammenrechnen, was der Eintritt und 41-mal Pommes und Snacks kosten. Dafür sind wir auf Spenden angewiesen“, so Sommerfeld. Jede Spende komme direkt bei den Kindern an.
Am Ende des Vormittags zieht Sommerfeld eine Bilanz, die zeigt, warum sich der Einsatz lohnt: „Wenn Kinder nach den Ferien erzählen, berichten die einen vom Meer, vom Campingplatz oder vom Freizeitpark. Und andere haben sechs Wochen kaum ihren Kiez verlassen. Dabei sind gemeinsame Erlebnisse so wichtig für die Entwicklung. Jedes Kind sollte die Chance haben, schöne Ferien zu erleben. Ohne die Spenden von Berliner helfen könnten wir ein solches Ferienprogramm nicht anbieten.“
Die Hüpfburgenstadt in Zehlendorf war für die 41 Kinder an diesem Tag mehr als nur ein Ausflugsziel. Sie war ein Ort, an dem Armut keine Rolle spielte und unbeschwerte Sommerferien endlich auch für sie begannen. Die Spenden der Leserinnen und Leser der Berliner Morgenpost machen solche Momente möglich.



