Seit 2023 übt Alfonso Pantisano das Amt der „Ansprechperson Queeres Berlin“ aus. Nun, drei Jahre später, zieht er eine gemischte Bilanz: „Wir haben als offene Gesellschaft an vielen Stellen versagt“, sagte Pantisano im Interview mit dem Tagesspiegel. Der 46-jährige schwule Mann, der offen mit einem Mann verheiratet ist und zwei Kinder hat, betont, dass es trotz Fortschritten noch viel zu tun gebe.
Erfolge und Herausforderungen im Amt
Pantisano verweist auf konkrete Erfolge: So sei es gelungen, die Rechte von Regenbogenfamilien zu stärken und die Sichtbarkeit queerer Menschen in der Verwaltung zu erhöhen. Allerdings kritisiert er, dass die Gesellschaft in Krisenzeiten schnell vergesse, Minderheiten zu schützen. „Die offene Gesellschaft hat versagt, weil sie zu oft wegschaut, wenn Queerfeindlichkeit passiert“, so Pantisano.
Kritik an der eigenen Verwaltung
Der Queerbeauftragte übt auch Selbstkritik: Sein Amt sei in der Senatsfinanzverwaltung angesiedelt, was die Arbeit erschwere. „Ich bin der einzige Queerbeauftragte in Deutschland, der nicht im Ressort für Integration oder Soziales arbeitet, sondern bei der Finanzverwaltung“, erklärte er. Dies führe zu bürokratischen Hürden und erschwere die Zusammenarbeit mit anderen Senatsverwaltungen.
Zukunftsperspektiven
Pantisano fordert ein eigenes Landesantidiskriminierungsgesetz für Berlin, das queere Menschen besser vor Diskriminierung schützt. Zudem müsse die Finanzierung von queeren Projekten verstetigt werden. „Es darf nicht sein, dass queere Initiativen jedes Jahr um ihre Existenz bangen müssen“, sagte er. Trotz aller Kritik zeigt er sich optimistisch: „Berlin hat das Potenzial, eine Vorreiterstadt für queere Rechte zu sein – wenn wir alle an einem Strang ziehen.“



