Während in Großbritannien renommierte Universitäten wie Exeter die Sozial- und Geisteswissenschaften drastisch zusammenstreichen, setzt Berlin ein klares Zeichen: Die Hauptstadt hält trotz angespannter Haushaltslage an diesen Disziplinen fest. Das ist nicht nur mutig, sondern auch ein Auftrag, wie eine Kolumne von Ulrike Freitag zeigt.
Kürzungen in England: Ein Schock für die Wissenschaft
Die Universität Exeter in Großbritannien plant, fast alle Sozial- und Geisteswissenschaften um 20 bis 25 Prozent zu kürzen. Auch andere britische Hochschulen folgen diesem Trend und streichen vor allem in Bereichen, die nicht als unmittelbar notwendig erachtet werden. Diese Entwicklung hat in der akademischen Welt für Entsetzen gesorgt.
Angesichts dieser Horrorbotschaft aus England ist das klare Bekenntnis des Bundesforschungsministeriums und des Berliner Senats zu den Geistes- und Sozialwissenschaften umso bemerkenswerter. Das Bundesministerium betont, dass diese Fächer entscheidend dazu beitragen, globale Spannungen und antidemokratische Bewegungen besser zu verstehen und den technologischen Wandel gesellschaftlich zu bewältigen.
Berliner Strategie: Geisteswissenschaften als Schlüssel zur Komplexität
Der Berliner Senat hat in seinem Strategiepapier hervorgehoben, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften helfen, Komplexität zu begreifen, historische Erfahrungsräume zu erschließen, kulturelle Systeme zu analysieren und die Grundlagen der Gesellschaft zu reflektieren. Sowohl der Bund als auch das Land Berlin sehen dieses Wissen fest in ihren Forschungsstrategien für die kommenden Jahre verankert.
Besonders interessant ist der Berliner Ansatz, der die Arbeitsweise der Geistes- und Sozialwissenschaftler in den Fokus rückt: Sie gehen mit aktuellen Fragen an ihre Forschungsmaterialien heran, haben aber gleichzeitig die Freiheit, neue Fragestellungen und Themen zu entwickeln. Aus dieser dialogischen Arbeit entstehen Ergebnisse, die nicht immer direkt auf die Bewältigung anstehender Herausforderungen zugeschnitten sein müssen.
Gesellschaftliche Verantwortung: Forschung verständlich machen
Trotz der fehlenden unmittelbaren Relevanz sehen die Wissenschaftler eine gesellschaftliche Verantwortung, ihre Themen und Ergebnisse so aufzuarbeiten, dass sie einem breiteren Publikum zugänglich sind. Dies kann durch Ausstellungen, Kataloge, Filme, Podcasts, Interviews oder Zeitungsartikel geschehen. Entscheidend ist, den Kontakt zur Öffentlichkeit zu suchen.
Die Kolumnistin Ulrike Freitag lobt diesen Ansatz und sieht darin einen Auftrag: Die Geistes- und Sozialwissenschaften müssen sich öffnen und ihre Erkenntnisse in die Gesellschaft tragen. Nur so könnten sie ihren Wert auch in Zeiten knapper Kassen unter Beweis stellen.



