Berti Vogts (79) zählt zu den prägendsten Persönlichkeiten des deutschen Fußballs. Als Spieler triumphierte er bei der Weltmeisterschaft 1974 und der Europameisterschaft 1972, als Bundestrainer führte er Deutschland 1996 zum EM-Titel. Doch hinter dieser glanzvollen Karriere verbirgt sich eine Kindheit voller Schmerz und unerträglicher Last.
Doppelter Verlust innerhalb eines halben Jahres
In der neuen ARD-Dokumentation „Elf Helden – Ein Albtraum“, die sich mit dem WM-Debakel von 1994 befasst, gewährt Vogts tiefe Einblicke in seine wohl dunkelste Lebensphase. Er berichtet: „Meine Eltern starben relativ früh, als ich zwölf Jahre alt war. Innerhalb von nur einem halben Jahr verlor ich beide Elternteile.“
Unfassbare Worte des Pfarrers
Doch was bei der Beerdigung seines Vaters geschah, übertraf jedes Vorstellungsvermögen. Vogts erinnert sich: „Der Pfarrer sagte bei der Trauerfeier, dass ich schuld am Tod meines Vaters sei.“ Der Vater war an Herzproblemen gestorben. Der Geistliche warf dem damals Zwölfjährigen vor, ein „böser Junge“ gewesen zu sein. „Mein Vater habe sich so hineingesteigert, und deshalb sei er gestorben“, zitiert Vogts den Pfarrer. „Und ich sei schuld.“ Dieser Vorwurf verfolgt ihn bis heute. „Das habe ich dem Pfarrer nie verziehen“, stellt Vogts klar.
Die Bürde eines Kindes
Seine Mutter war kurz zuvor an Leukämie gestorben. TV-Kommentatorin Gaby Papenburg ordnet in der Doku ein, was diese Anschuldigung für ein Kind bedeutet: Dem kleinen Hans-Hubert wurden praktisch die Krankheit der Mutter und die Herzschwäche des Vaters angelastet. „Was ist das denn für eine Bürde?“, fragt sie. Auch Lothar Matthäus äußert sich: „Berti konnte nie aus sich herausgehen. Vielleicht hängt das mit seiner Kindheit zusammen.“
Vogts‘ Weg aus der Dunkelheit
Trotz dieser traumatischen Erfahrungen fand Vogts seinen Weg – auf dem Platz wurde er zum „Terrier“. Er kämpfte sich durch, wurde mit Borussia Mönchengladbach mehrfacher Deutscher Meister und gewann den UEFA-Cup. Mit der Nationalmannschaft holte er 1972 den EM- und 1974 den WM-Titel. Auch als Trainer blieb er hartnäckig: Nach dem bitteren WM-Aus 1994 gegen Bulgarien hielt er durch und wurde zwei Jahre später Europameister. Mit einem Punkteschnitt von 2,18 pro Spiel ist er bis heute der erfolgreichste DFB-Bundestrainer.
Die vierteilige Doku „Elf Helden – Ein Albtraum“ ist seit dem 2. Juni in der ARD-Mediathek verfügbar.



