Die Influencerin Charlotte Weise hat offen über die Nachteile ihres Berufs gesprochen. Im Gespräch mit der „Zeit“ erklärte sie, dass es ihr schwerfalle, abzuschalten: „Ich habe das Gefühl, nie krank ausfallen oder mal ein paar Tage Pause machen zu können.“ Ständig überlege sie, zu welchem Thema sie ihr nächstes Reel machen könnte. Weise ist seit neun Jahren hauptberuflich Influencerin und hat über 200.000 Follower auf Instagram. Sie teilt dort vor allem Inhalte zu Familienleben, Partnerschaft und gesellschaftskritischen Themen.
Hohe psychische Belastung und ständige Kritik
Die 33-Jährige berichtet von einer hohen psychischen Belastung. Besonders negative Kommentare setzen ihr zu. „Wenn man damit nicht umgehen kann, sollte man lieber einen normalen Beruf wählen. Oder wenigstens einen Plan B haben“, sagte sie. Vor allem bei Inhalten über ihre Rolle als Mutter oder ihren Erziehungsstil seien die Reaktionen „nicht nur nett“. „Meistens kritisieren mich bei diesen Mütterthemen andere Frauen, die Kinder haben. Sie posten Kommentare oder schreiben mir persönlich Nachrichten, einige sind sehr gemein.“
Der Berufswunsch Influencer ist bei Jugendlichen beliebt
Laut einer Umfrage der Privaten Hochschule Göttingen können sich knapp 43 Prozent der deutschen Abiturientinnen und Abiturienten eine Karriere als Influencer vorstellen. Weise würde den Job jedoch nicht jedem empfehlen. „Wer sich mit dem Job ernsthaft beschäftigt, kennt sowohl die Vor- als auch die Nachteile“, erklärte sie. Es sei schwieriger geworden, bei Instagram Reichweite aufzubauen, da sich der Algorithmus ständig verändere. Zudem brauche man ein einzigartiges Thema, mit dem man viele Menschen inspiriere. „Ich beobachte, dass viele junge Influencer es immer noch mit Fotos von ihren Outfits, Reisen oder Restaurantbesuchen probieren – das funktioniert nicht mehr.“
Trotz Schattenseiten: Weise würde ihren Beruf nicht aufgeben
In der Vergangenheit habe Weise immer mal wieder überlegt, nicht weiter als Influencerin zu arbeiten. „Vor allem wenn man sich in einem verletzlichen Moment öffnet, ganz ehrlich ist und dann kritisiert wird“, sagte sie. Ihren Account habe sie jedoch nie gelöscht. „Ich würde meinen Beruf nie leichtfertig aufgeben“, betont sie. Die Vorteile des Jobs überwiegen für sie: Sie kann vormittags von zu Hause arbeiten und nachmittags Zeit mit ihrem Sohn verbringen. Auch finanziell läuft es gut. „Ich habe schon mit 33 Jahren so viel Geld eingenommen, dass ich erst ein Haus in Spanien finanzieren konnte, jetzt in Hamburg“, so Weise. „Viele denken, mein Freund sei der Sugardaddy, der mich finanziert, weil er 14 Jahre älter ist und als Model arbeitet. Dabei ist es bei uns genau andersrum.“



