Urteil am Oberlandesgericht: Differenzierte Entscheidung
Collien Fernandes hat vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht einen Teilerfolg erzielt. Das Gericht untersagte die Behauptung, dass Christian Ulmen Fake-Videos selbst erstellt habe, erlaubte aber die Berichterstattung über die Herstellung von Fake-Fotos und die Verbreitung von Videos anderer Frauen, die Fernandes täuschend ähnlich sahen. Die Schauspielerin und Moderatorin erlebt diese Unterscheidungen als schmerzhaft: „Die Zeugen schildern, dass sie Sexvideos von mir gesehen haben. Die Pornodarstellerin hat extreme Ähnlichkeit mit mir. Nun verschickt man diese Videos unter meinem Namen, mit dem Hinweis, dass es sich um private Sex-Tapes von mir handelt, was die Zeugen anscheinend geglaubt haben, dann ist der gewünschte Effekt ja erreicht. Somit macht es für den Missbrauch an sich gar keinen Unterschied.“
Pressemitteilung der Gegenseite: Vorverurteilung als Argument
Erstaunt zeigte sich Fernandes über die Reaktion von Ulmens Anwalt, der nach dem Urteil eine Pressemitteilung veröffentlichte, in der von Vorverurteilung die Rede war. „Der Text klingt, als wolle er sagen: Seht ihr, ich bin unschuldig. Dabei ist der digitale Missbrauch absolut unstrittig, laut Urteil“, so Fernandes. Sie betont, dass der Missbrauch durch die Verbreitung der Bilder und Videos unabhängig von der Urheberschaft stattgefunden habe.
Jahrelanger Kampf gegen Gewalt im Netz
Die 43-Jährige hatte sich bereits vor ihrer eigenen Anzeige öffentlich gegen Hass und Gewalt im Netz engagiert. Dass sie nun selbst betroffen ist, habe ihr Leben auf den Kopf gestellt. „Das bisherige Leben fühlt sich wie eine Lüge an“, gesteht sie im Interview. Die Morddrohungen, die sie erhielt, und die Scham über die intimen Aufnahmen belasten sie bis heute. Fernandes hofft, dass ihr Fall anderen Betroffenen Mut macht, sich zu wehren.
Blick auf 15 Jahre Ehe mit Christian Ulmen
Die Moderatorin blickt kritisch auf die 15-jährige Beziehung mit dem Schauspieler und Regisseur Christian Ulmen. Sie habe lange geglaubt, dass die Ehe intakt sei, doch die Enthüllungen hätten alles infrage gestellt. „Ich muss mein ganzes Leben neu bewerten“, sagt sie. Der Prozess sei nicht nur rechtlich, sondern auch emotional eine Zerreißprobe. Fernandes fordert strengere Gesetze gegen digitale Gewalt und mehr Schutz für Opfer.



