Eine Frau wurde getötet, 16 Menschen wurden verletzt, mehrere davon lebensgefährlich: Der Angriff auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin am Samstagabend hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Spitzenpolitiker aller Parteien verurteilten die Tat aufs Schärfste und sprachen den Opfern ihr Mitgefühl aus. Der mutmaßliche Täter, ein 21-jähriger Islamist, ist flüchtig.
Bundeskanzler und Innenminister zeigen sich erschüttert
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die Attacke auf der Plattform X als „abscheuliche Tat“. Hunderttausende Menschen aus aller Welt hätten friedlich gefeiert, schrieb Merz. „Sie wollten, dass wir gut und tolerant miteinander umgehen. Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft.“ Nach Angaben eines Regierungssprechers steht Merz in engem Kontakt mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und wird von den Sicherheitsbehörden fortlaufend unterrichtet.
Dobrindt sprach von einer „feigen, abscheulichen Attacke auf friedlich feiernde Menschen“, die ihn zutiefst erschüttere. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die diese Tat miterleben mussten.“ Der CSU-Politiker dankte den Einsatzkräften. „Wir werden alles daransetzen, diese schreckliche Tat und ihre Hintergründe schnell aufzuklären und zu ahnden“, sagte er.
Künstlerinnen rufen zu Zusammenhalt auf
Die Rapperin Ikkimel, die am Freitag beim „Demokratieabend“ des Berliner CSD am Brandenburger Tor aufgetreten war, schrieb bei Instagram: Liebe sei „niemals der Fehler, Angst und Hass niemals eine Antwort“. Sie hoffe, dass viele Menschen jetzt realisierten, wie wichtig es sei, zusammenzuhalten – „jetzt noch mehr als sonst“. Popstar Sarah Connor, die bei der Abschlusskundgebung aufgetreten war, erklärte ebenfalls bei Instagram: „Mir fehlen die Worte, ich finde es furchtbar. Mein Beileid allen Angehörigen.“
Berliner Politik und Kirche reagieren betroffen
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) reagierte bestürzt: „Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft – nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert. Berlin ist die Stadt der Freiheit – und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden.“ Auf die Frage, ob es sich um einen Terroranschlag handle, erklärte Wegner: „Es ist zu früh, das heute zu sagen.“
Der SPD-Spitzenkandidat für die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl in Berlin, Steffen Krach, schrieb bei X, es sei erschütternd, „dass ein Tag der Liebe“ angegriffen werde. „Wir stehen zusammen.“ Stefan Evers, der für die CDU Regierender Bürgermeister von Berlin werden möchte, drückte ebenfalls bei X sein Entsetzen aus: „Es trifft unsere Stadt mitten ins Herz.“
Queerbeauftragter und Erzbischof mahnen
Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano (SPD) sagte vor Ort sichtlich betroffen: „Alle versuchen gerade ihre Netzwerke zu kontaktieren, um zu erfahren, ob die Menschen safe nach Hause gekommen sind.“ Für die queere Community sei dies ein großer Trauertag. Der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch kündigte an, in den Sonntagsgottesdiensten werde Fürbitte für die Betroffenen und ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft gehalten. „Der Hass darf nicht gewinnen.“
Hintergründe der Tat
Der CSD in Berlin war am Samstagabend abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren war. Eine Frau wurde getötet, 16 weitere Menschen wurden verletzt, mehrere davon lebensgefährlich. Der Fahrer verließ laut Polizei das Auto und floh. Die Ermittler haben in der Nacht einen mutmaßlichen Tatverdächtigen als den 21-jährigen Abdul B. identifiziert. Er ist den Behörden als Islamist bekannt, nach SPIEGEL-Informationen soll er mit der Terrororganisation „Islamischer Staat“ sympathisiert haben. Nach dem Mann wird nun gefahndet.



