Hunderte Menschen haben sich am Sonntagabend auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor zu einer Mahnwache versammelt, um der Opfer des Anschlags auf den Christopher Street Day (CSD) zu gedenken. Bei der Attacke am Samstag war ein Mensch getötet worden, mehrere weitere wurden schwer verletzt. Die Stimmung unter den Teilnehmenden war geprägt von Trauer, aber auch von Wut und politischen Forderungen.
Gemeinsame Trauer und politische Botschaften
Viele der Anwesenden weinten, hielten sich gegenseitig in den Armen und versuchten, Halt zu geben. Gleichzeitig nutzten sie die Gelegenheit, um ein starkes politisches Statement zu setzen. „Der Anschlag auf den CSD ist nicht nur ein Anschlag auf unsere Community, sondern ein Anschlag auf Menschenrechte, auf die Würde der Menschen, auf uns alle, auf uns als Zivilgesellschaft“, sagte ein Teilnehmer. Er kritisierte die Politik scharf: „Wo ist die Politik, wenn man sie braucht? Der angebliche Täter war polizeibekannt. Man muss sich fragen: Wer hat da versagt?“
Schock und Solidarität
Eine andere Besucherin berichtete, sie sei am Vortag noch selbst auf dem CSD gewesen und habe die friedliche, fröhliche Stimmung bewundert. „Umso mehr hat mich der Vorfall geschockt.“ Ein weiterer Mann, der sich als weißer Cisgender und wirtschaftlich stabil bezeichnete, zeigte sich solidarisch mit besonders verletzlichen Gruppen. „Mich trifft das als Letztes. Aber hier sind Leute, die einen verdammten Tag im Jahr eine gute Zeit haben wollen und jetzt vielleicht zu Hause sitzen und sich fragen, ob es das überhaupt noch wert ist.“ Er warnte vor politischen Kräften, die den Anschlag für Hass nutzen würden, und betonte, das Problem sei nicht pauschal „die Ausländer“ oder „der Islam“, sondern Radikalismus.
„Es ist unser Leben“
Eine Rednerin rief den Teilnehmenden zu: „Wir sind kein Lebensstil, das ist kein Lifestyle. Es ist unser Leben, und das müssen wir mit allem verteidigen und dafür einstehen. Weil wir sind, wie wir sind, und wir gehen nicht weg.“ Die Mahnwache endete mit einer Schweigeminute für die Opfer. Die Polizei hat die Ermittlungen zu dem Anschlag aufgenommen, der Täter soll psychisch verwirrt gewesen sein, doch viele Fragen bleiben offen. Die queere Community fordert nun mehr Schutz und ein entschlossenes Vorgehen gegen Hasskriminalität.



