CSD-Organisatoren in Sachsen-Anhalt nach tödlichem Angriff in Berlin geschockt
CSD-Organisatoren in Sachsen-Anhalt nach Berlin-Angriff bestürzt

Die Organisatoren der Christopher-Street-Day-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt sind nach dem tödlichen Angriff in Berlin tief erschüttert. Falko Jentsch, Sprecher des CSD Sachsen-Anhalt, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass er und andere Beteiligte am Samstagabend selbst bis zum Schluss vor Ort in Berlin waren. „Solche Vorfälle lähmen nicht nur die Leichtigkeit und Lockerheit auf den Veranstaltungen. Sie führen in Sachsen-Anhalt zu einem Teilnehmerrückgang und verändern den Grundgedanken des CSD“, sagte Jentsch.

Schock und Bestürzung nach der Bluttat

Am späten Samstagabend war ein Auto am Rande des Berliner CSD in eine Menschenmenge gefahren. Eine 40-jährige Frau erlag ihren schweren Verletzungen, mehrere weitere Personen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Die Polizei fahndet nach dem 21-jährigen Abdul B., der den Van gesteuert haben soll. Er ist den Behörden zufolge polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet.

Für die queere Community in Sachsen-Anhalt ist die Tat ein tiefer Einschnitt. „Wir haben schon in den vergangenen Jahren erlebt, dass unsere Veranstaltungen Ziel von Anfeindungen und sogar körperlichen Angriffen waren. Aber ein solch gezielter, brutaler Anschlag trifft uns ins Mark“, so Jentsch. Er betonte, dass der CSD eigentlich ein Fest der Freiheit und Toleranz sein solle, doch die ständige Bedrohung hinterlasse Spuren.

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Auswirkungen auf die CSD-Saison in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt haben bereits mehrere CSD-Veranstaltungen stattgefunden. Dabei kam es immer wieder zu homophoben Attacken und Einschüchterungsversuchen. Laut Jentsch sei der Teilnehmerrückgang in diesem Jahr spürbar. „Viele haben Angst, an den Paraden teilzunehmen. Das ist genau das, was die Täter erreichen wollen – uns einschüchtern und aus der Öffentlichkeit verdrängen“, kritisierte der Sprecher.

Für die kommenden Monate sind weitere CSD-Termine geplant: am 10. August in Naumburg, am 24. August in Magdeburg, am 7. September in Halle und am 21. September in Stendal. Die Organisatoren stehen nun vor der Herausforderung, die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten und gleichzeitig den ursprünglichen Geist der Demonstrationen zu bewahren.

Reaktionen aus Politik und Gesellschaft

Auch aus der Landespolitik kamen Reaktionen. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verurteilte die Tat scharf: „Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität ist ein Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft. Wir müssen die queere Community schützen und dürfen nicht zulassen, dass Hass und Extremismus sie von öffentlichen Feiern vertreiben.“

Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen für die kommenden CSD-Veranstaltungen zu verstärken. „Wir werden mit einem erhöhten Aufgebot und einer engen Abstimmung mit den Organisatoren dafür sorgen, dass die Paraden friedlich stattfinden können“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes.

Grundgedanke des CSD in Gefahr?

Jentsch sieht durch die wiederholten Anfeindungen den Kern des CSD bedroht: „Der CSD ist ein sichtbares Zeichen für Akzeptanz und Gleichberechtigung. Wenn wir uns immer weiter zurückziehen und die Teilnehmerzahlen schrumpfen, verlieren wir diese Sichtbarkeit. Taten wie in Berlin machen uns allen bewusst, wie verletzlich wir sind – aber auch, wie wichtig es ist, weiterhin gemeinsam auf die Straße zu gehen.“

Trotz der düsteren Stimmung bleiben die Organisatoren entschlossen. „Wir lassen uns nicht unterkriegen. Die geplanten Paraden werden stattfinden, denn genau das ist die Antwort auf Gewalt und Intoleranz: umso entschiedener für die Rechte queerer Menschen einzutreten“, erklärte Jentsch abschließend.

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