Neuer DBV-Leitfaden zu kolonialen Beständen: Gut gemeint, aber zu aktivistisch
DBV-Leitfaden: Gut gemeint, aber zu aktivistisch

Neuer Leitfaden zu kolonialen Bibliotheksbeständen

Der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) hat kürzlich eine Broschüre mit dem Titel „Koloniale Kontexte in Bibliotheken“ veröffentlicht. Diese steht kostenlos auf der DBV-Website zum Download bereit. Der Leitfaden behandelt den Umgang mit einem spezifischen Teil des kolonialen Erbes: Romane, Berichte, Kolportagen und Fotobände, die sich mit den ehemaligen Kolonien oder Kolonialkriegen befassen.

Inhalt und Ziele des Leitfadens

Die Broschüre wirft grundlegende Fragen auf: Wie sind etwa Fotobände mit rassistischen Darstellungen nackter Menschen entstanden? Wie sollten Bücher katalogisiert werden, die möglicherweise aus der Beute des sogenannten Boxerkriegs gegen China stammen? Welche Bedeutung hatten diese Werke einst, und welche Relevanz könnten sie heute in Debatten über Klimawandel, kulturelle Konflikte und Fluchtbewegungen haben?

Der Leitfaden ist zweifellos gut gemeint und ein Schritt in die richtige Richtung. Er soll Bibliotheken helfen, ihre kolonialen Bestände kritisch zu hinterfragen und angemessen zu präsentieren. Allerdings leidet die Publikation unter einer selbstgerechten und aktivistischen Sprache, die ihre Wirkung schmälern könnte, wie unser Autor Nikolaus Bernau anmerkt.

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Kritik an der Sprache

Bernau lobt die Absicht des DBV, bemängelt jedoch, dass die Broschüre durch ihre Wortwahl an Überzeugungskraft verliere. Die aktivistische Diktion könne dazu führen, dass der Leitfaden in Bibliotheken weniger Beachtung finde, als er verdient. Statt sachlicher Analyse dominiere eine moralisierende Haltung, die eher spalte als vereine.

Dennoch bleibt festzuhalten: Die Auseinandersetzung mit kolonialen Beständen ist wichtig und überfällig. Der DBV hat mit diesem Leitfaden einen ersten Schritt gewagt, der hoffentlich weiterentwickelt wird – mit einer Sprache, die mehr Menschen erreicht.

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