Ein Ausflug in die Vergangenheit
Sieben Menschen mit Demenz machen einen Ausflug in den Berliner Tierpark. Vor Präriehunden und Büffeln kommen Bilder aus der Kindheit hoch – auch schmerzhafte. Eine besondere Begegnung mit der Erinnerung.
Katharina Jänicke spricht langsam. Macht Pausen, wartet ab, sieht jedem in die Augen. „Schönen guten Tag. Ich bin Katharina.“ Manche grüßen, manche undeutlich, einige blicken sie nur an, manche woanders hin. Die Gruppe ist gemischt: Sieben Menschen mit Demenz, unterschiedlichen Alters und Stadien der Erkrankung. Gemeinsam haben sie, dass die Vergangenheit oft näher ist als die Gegenwart.
Kindheitserinnerungen werden wach
Am Gehege der Präriehunde bleibt einer der Männer stehen. „Die kenne ich“, sagt er leise. „Früher waren wir oft im Zoo. Mein Vater hat immer gesagt: 'Guck mal, die kleinen Murmeltiere.'“ Plötzlich lacht er. Die Begleiter nicken verständnisvoll. Solche Momente sind kostbar.
Ein anderer Teilnehmer, der sonst kaum spricht, zeigt auf den Eisbären. „Faule Sau!“, ruft er und lacht. Die Betreuerin lächelt: „Ja, der liegt ganz faul da.“ Der Mann nickt zufrieden. Offenbar hat ihn die Erinnerung an einen früheren Zoobesuch eingeholt.
Auch schmerzhafte Bilder tauchen auf
Doch nicht alle Erinnerungen sind schön. Eine Frau wird plötzlich still, als sie die Büffel sieht. „Mein Onkel hatte eine Farm“, flüstert sie. „Da gab es solche Tiere. Aber er war streng.“ Tränen steigen ihr in die Augen. Die Betreuerin nimmt ihre Hand und sagt beruhigend: „Das ist lange her. Sie sind jetzt hier, in Sicherheit.“
Der Ausflug ist Teil eines therapeutischen Programms. Studien zeigen, dass vertraute Umgebungen wie Zoos oder Parks bei Demenzkranken positive Emotionen wecken können. Die Tiere wirken oft als Schlüssel zur Vergangenheit.
Ein Tag voller Emotionen
Nach zwei Stunden kehrt die Gruppe zurück. Die Stimmung ist gemischt: Manche sind erschöpft, andere wirken belebt. „Es war schön“, sagt eine Frau und lächelt. „Die Tiere sind wie früher.“ Ihr Mann nickt: „Ja, und sie erinnern sich an Dinge, die wir längst vergessen glaubten.“
Der Besuch im Tierpark zeigt: Auch bei Demenz sind Erinnerungen nicht verloren. Manchmal braucht es nur den richtigen Auslöser – einen Eisbären, ein Präriehund – um sie wieder zum Leben zu erwecken.



