Demo für den Erhalt der Clubkultur in Berlin
Unter dem Motto „RAW für alle – Clubkultur erhalten, Freiräume schützen“ sind am Freitagabend rund 1000 Menschen in Berlin-Friedrichshain auf die Straße gegangen. Das teilte ein Sprecher im Lagezentrum der Polizei mit. Der Demozug führte vom Boxhagener Kiez über die Warschauer Straße bis zur Revaler Straße, wo das bekannte RAW-Gelände mit seinen zahlreichen Clubs und Bars liegt. Gegen 19.15 Uhr erreichte der Zug die Elsenbrücke.
Vorne war aus einem Wagen lauter Techno zu hören, am Ende des Zuges fuhr ein zu einem DJ-Pult umgebautes Lastenrad. Die meisten Teilnehmenden waren zwischen Ende 20 und Anfang 40, viele tranken Bier, Mate oder Sekt. Immer wieder war aus der Menge der Ruf „RAW für alle!“ zu vernehmen.
Hintergrund der Proteste
Anlass für die Demonstration war die drohende Räumung des Clubs Cassiopeia sowie weiterer Kultureinrichtungen auf dem RAW-Gelände zum Monatsende. Am Montag hatten der Berliner Senat und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mitgeteilt, dass die Verhandlungen mit der Eigentümerin, der Kurth-Gruppe, über einen Bebauungsplan gescheitert seien. Die Gegenseite behauptete hingegen, der Bezirk habe das Treffen 24 Stunden vorher abgesagt.
Daniel, 47, bezeichnet sich selbst als Techno-Freak seit den Neunzigern. „Nichts gegen Wohnungsbau, aber die Clubkultur, gerade aus den 90ern, sollte erhalten bleiben, auch für die neue Generation“, erklärte er. Ein anderer Demonstrant wies auf den einzigartigen Charakter der Berliner Clubkultur hin: „Wir wollen Berlin nicht verändern. Wir wollen, dass es so bleibt, wie es ist. Berlin soll weiterhin ein Zuhause für all die Raver auf der Welt sein.“
Festgefahrene Verhandlungen seit über zehn Jahren
Seit Jahren wird über die weitere Nutzung des angesagten Ausgehviertels in der Revaler Straße diskutiert. Über 100 Künstlerinnen und Künstler haben dort Atelierplätze. Die Kurth-Gruppe möchte ein 100 Meter hohes Bürogebäude sowie Wohnungen auf dem Gelände errichten. Bezirk und Senat verlangen hingegen die Sicherung der kulturellen Nutzung. Die Verhandlungen sind seit mehr als zehn Jahren festgefahren. Es ist nicht das erste Mal, dass das Ende für die Kultur auf dem RAW-Gelände angekündigt wird.
Hauptpunkt der Verhandlungen ist die Dauer der Sicherung: Das Land Berlin möchte festsetzen, dass ein Teil des Areals mit Wohnungen bebaut werden kann, dafür aber die kulturellen Einrichtungen für 30 Jahre gesichert werden sollen – also vor Kündigungen geschützt sind bei gleichbleibenden Mieten. Der Senat würde den Ausbau des Lärmschutzes mitfinanzieren. Die Kurth-Gruppe soll ein Angebot von drei Jahren Sicherung der Kultureinrichtungen gemacht haben und wollte über die Dauer verhandeln. Bezirk und Senat wollen jedoch nicht von den 30 Jahren abrücken.
Neben dem Cassiopeia seien weitere Betreiber auf dem Gelände aufgefordert worden, dieses zu verlassen, anderen hingegen sei eine Vertragsverlängerung angeboten worden. Um welche Einrichtungen es sich handelt, wird nicht mitgeteilt. Laut Informationen des Tagesspiegel gibt es beim Cassiopeia und anderen Einrichtungen Schwierigkeiten bei den Mietzahlungen. Da der Club Räume in einer anderen Einrichtung gepachtet hat, kann diese Einrichtung die Nebenkosten nicht mehr zahlen.



